Archive for the ‘Zeitschriften’ Category

East Coast - die große Depri

Sonntag, Oktober 25th, 2009

wet-floor.jpgDie Medienkrise hat in New York brutaler zugeschlagen als in Europa. Ich habe die sonst so stolze Medienwelt an der Ostküste noch nie so verzagt und so deprimiert erlebt wie in diesen Tagen.

Doch die Krise ist nicht vom Himmel gefallen. Man fasst sich an den Kopf, wie hochbezahlte Manager so töricht ihr Geschäft verrichten durften.

BusinessWeek mit 900.000 verkauften Heften schreibt rote Zahlen. Den Konkurrenten Forbes und Fortune geht es auch nicht eben besser.

Das 68 Jahre alte Hochglanz-Magazin Gourmet von Condé Nast wird von heute auf morgen eingestellt - bei 980.000 Abonnenten. Wie - Herrschaftszeiten - kann es kommen, dass solche Zeitschriften kein profitables Geschäft darstellen?

Viele amerikanische Verlage verschenkten ihre Monatsmagazine für 10 Dollar im Jahr und lebten jahrelang von satten Anzeigenerlösen. Bei Condé Nast, das von der Krise besonders arg gebeutelt wurde, werden nur 3 Prozent Vertriebserlöse verbucht.

Bei Newsweek plumpsten die Umsätze um 35 bis 40 Prozent. Wir befinden uns in einer ganz schrecklichen Krise wird gejammert, und es regiert eine Heulsusigkeit als wären wir in Deutschland.

Der Journalismus hat innerhalb weniger Monate einen harschen Bedeutungsverlust erlitten. Früher (more…)

Fotokiste: Norman Pearlstine

Samstag, Oktober 24th, 2009

norman-pearlstine.jpgNew York, den 21. Oktober 2009

Eine Stunde mit Norman Pearlstine, zusammen mit anderen VDZ-Kollegen. Norman Pearlstine gilt als einer der großen amerikanischen Journalisten. Ein Mann von Statur und Einfluss, einer der Einflussreichsten seiner Zunft.

Norman arbeitet als erster Journalist des Hauses Bloomberg, der hübsche Titel Chief Content Officer schmückt ihn. Sein Ressort umfasst alles, was mit Wachstum zu tun hat: TV, Radio, neue Magazine, Onlineprodukte. Und er hält Michael Bloomberg den Rücken frei, damit dieser New York vernünftig regieren kann.

Norman Pearlstine kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Das Wall Street Journal Europe aufgebaut. SmartMoney gegründet, er war viele Jahre lang Chefredakteur des größten Nachrichtenmagazins der Welt, der TIME.

Bloomberg selbst ist ein beeindruckendes Verlagshaus von (more…)

Vogelschiss für Gruners

Samstag, Oktober 17th, 2009

businesspunk.jpgDeutschlands Zeitschriften-Riese Gruner + Jahr überrascht Fachwelt und Publikum gleich mit drei neuen Magazinen. Dieses Trio hat es in sich, denn das Konzept aller drei Neuerscheinungen kommt einer Revolution gleich.

Dabei meine ich nicht den Inhalt - der mag gefallen oder auch nicht (so finde ich das Heft Business Punk rotzfrech und richtig großkotzig, also rundum gelungen!).

Revolutionär scheint mir vielmehr der strategische Richtungswechsel, der mit dieser Einführung einher geht. Nehmen wir mal als Beispiel dieses wilde und arrogante Wirtschaftsmagazin Business Punk.

An dieser Stelle soll nicht darüber räsoniert werden, ob Deutschland auf den Business Punk gewartet hat oder ob sich die Welt auch ohne ihn weiterdreht. Nein, am Business Punk soll aufgezeigt werden, wie grundlegend sich das Denken bei dem Hamburger Großverlag verändert hat.

Schauen wir einmal auf die nackten (more…)

Speaker at The Grand Ballroom

Freitag, Oktober 16th, 2009

fippnyc.jpg

Es gibt Tage, da läuft es einfach. Dieser 24. Mai 2005 war ein solcher Glückstag. Im Grand Ballroom des Waldorf=Astoria als Redner auf der Bühne. Dort, im dritten Stockwerk des Hotels, auf jener Bühne, auf der schon Louis Armstrong und John F. Kennedy standen. Ein Traum für einen Vortragsredner!

FIPP, dieser 1925 von französischen und spanischen Verlegern gegründete Verband, lud zum Weltkongress, den man alle zwei Jahre zelebriert. Und über 1.000 Zeitschriftenverleger aus aller Welt folgten dem Ruf der Federation Internationale de la Presse Periodique.

Das Event war hoch professionell vorbereitet. Drei Riesen-Bildschirme über der Bühne für die Zuhörer im Saal, neben dem Pult zwei Teleprompter zum Ablesen des Vortrages, ein verdeckter Zeitmesser für den Redner. Und eine Regisseurin, die mit Headset und Ablaufplan bei der Sprechprobe am Vorabend über die Bühne sprang wie ein Feldwebel auf dem Kasernenhof.

Making Things Happen in a Digital World. Drei Panel-Statements plus Diskussion und Fragen aus dem Publikum. Ned Desmond von TIME moderierte. Das Ganze war inhaltlich nicht ohne, denn (more…)

Top Cover

Mittwoch, Oktober 7th, 2009

cosmo2.jpgWer mit Zeitschriften zu tun hat, der weiß, wie wichtig ein gutes Cover ist.

Wenn beim Titel eines Magazins wirklich alles stimmt - das Hauptthema, die Optik, die Dramaturgie, das Timing -, dann kann ein Heft am Kiosk sicherlich doppelt so viele Exemplare absetzen wie eine normale Ausgabe.

Doch was zeichnet ein gutes Cover aus? Wo liegt das Geheimnis einer erfolgreichen Cover-Gestaltung?

Knackige, informative Textzeilen, sicherlich. Das richtige Thema, zur richtigen Zeit - ebenfalls. Ein ansprechendes Motiv, passende Farben, stimmige Typografie - alles richtig, alles recht.

Und besonders Wiedererkennung, ein unverwechselbares Profil. Einsame Spitze darin sind die Kolleginnen von der Cosmopolitan in der Tradition von Helen Gurley Brown.

Das wichtigste an einem Cover jedoch ist (more…)

Die SPD und das Abo

Freitag, September 25th, 2009

In den letzten Tagen des Wahlkampfes überrascht die SPD uns mit einer Medieninitiative. Acht Vorschläge werden flott runter geschrieben, wie denn den unter Auflagenschwund und Anzeigenrückgang leidenden Printmedien geholfen werden soll.

Zwei dieser Maßnahmen befassen sich mit dem Abonnement. Gefordert wird (more…)

sanfter Erfolg

Sonntag, August 23rd, 2009

Was macht den Erfolg einer Zeitschrift aus? Nun, wird ein jeder zunächst antworten, Qualität und Nähe zum Leser.

Richtig, ohne Qualität und Kundennähe geht nichts, geschenkt, denn das ist selbstverständlich. Conditio sine qua non. Die Grundlage sozusagen.

Genauso wichtig sind die (more…)

Fotokiste: Paul Julius Reuter

Samstag, August 1st, 2009

paul-julius-reuter-in-london.jpg

Auf dem idyllischen Platz am Hinterausgang des Royal Exchange Building, nahe der Bank of England, haben die Londoner dem Paul Julius Reuter ein drei Meter hohes Denkmal aus weißem Granitstein errichtet.

Paul Julius Reuter - steht da auf Englisch eingemeißelt - geboren 1816 in Kasssel, Germany, gestorben 1899 in Nizza, Frankreich, gründete die Weltnachrichtenagentur, die seinen Namen trägt, in dem No. 1 Royal Exchange Building in der City of London, neben diesem Platz am 14. Oktober 1851.

Reuters einziger Gehilfe beim Start blieb damals ein 12-jähriger Laufbursche namen John Griffith. Eineinhalb Jahrzehnte später war Griffith der erste Geschäftsführer der nun weltweit erfolgreichen Telegraphengesellschaft.

Reuter erkannte, dass es im Geschäft mit Nachrichten und Börsenkursen eines Wettbewerbsvorsprungs bedurfte, dass es hier auf (more…)

Erfolgsrezept Spezialisierung

Donnerstag, Juli 9th, 2009

fauna-blog.jpgDa fällt mir ein touristischer Prospekt mit putzigen Pinguinen in die Hände. Fauna-Reisen - Tiere ganz nah erleben. In dem Katalog finden sich Urlaubstripps hin zur exotischen Tierwelt von Galapagos oder zur Safari nach Kenia. Schöne Spezialisierung.

Denn nur eine gescheite Spezialisierung sichert den Markterfolg. Und es ist nur die kundennahe Spezialisierung, die für ein leuchtendes Marken-Profil sorgt. Wer einen klaren USP besitzt, der wird als Hersteller oder Verkäufer auch wahrgenommen.

Mehr vom Gleichen - das bringt nichts! Massenprodukte oder Me-too-Produkte müssen im knallharten Verdrängungswettbewerb anbieten und können somit nur über einen niedrigen Preis verkaufen.

Auf der klassischen BCG-Matrix mit Menge und Preis als Achsenwerte würde ich immer auf das nette Feld mit kleine Lösgrösse - hoher Preis setzen.

Eine Spezialisierung macht auch deshalb Sinn, weil sich (more…)

petra vs freundin 1:3

Sonntag, Juli 5th, 2009

petra.jpgWenn man sich im Focus letzter Woche die Werbung für die beiden Frauenzeitschriften freundin und petra anschaut, dann stösst man auf Konzepte, die unterschiedlich nicht sein können.

Hier die grüne petra mit egoistischem Touch. Das “Ich” als erstes Wort der Anzeige gibt die Melodie dieser Marketingkampagne vor.

Ich bin dafür, dass Lügen lange Beine machen. Lügen und lange Beine - das Idealbild der emanzipierten Frau? Die Farbe grün wirkt in Verbindung mit der schwarz-weiß Fotographie kalt. Der Gesichtsausdruck der Frau scheint überheblich und zickig.

Diese halbstarke pseudo-feministische Kraftmeierei wird zielgruppendefinitorisch im Abspann noch einmal heraus gestrichen: Ist für Frauen. Aha, (more…)