Archive for the ‘Zeitschriften’ Category

iPad: Der Tod des Verlegers

Montag, März 8th, 2010

apple-ipad-tablet computer und die verlegerDamit wir uns nicht missverstehen: Ich finde Apples neuen Tablet-Computer einsame Spitze. Revolutionär. Dieser Mix aus iPhone und Laptop wird die Welt verändern.

Und ich werde mir das iPad sofort kaufen. Mit Begeisterung. Die Vision dieses Produktes mag ich, sie entspricht meiner Lebenswirklichkeit: mobil, überall, jederzeit.

Das Ding wird den Medienkonsum verändern: Nachrichten, Filme, Bücher, Zeitschriften - alles sofort auf Knopfdruck, schnell, unkompliziert. Einfach großartig!

Als Verleger von Zeitschriften jedoch plagt mich der Alptraum. Wenn manche Kollegen meinen, hier komme die Rettung des Verlegens, dann könnte sich dies als Trugschluss herausstellen. Vielleicht kommt hier der Tod des Verlegens. Des traditionellen Verlegers jedenfalls mit Sicherheit.

Denn im Unterschied zum klassischen Abomodell sehe ich für Verlage einige fürchterliche Gefahren:

1. Der Verleger gibt (more…)

USP

Dienstag, Februar 23rd, 2010

Das unverwechselbare Profil eines jeden Medienunternehmens muss sich in einen Satz fassen lassen, der als eine Art Leitmotiv über allem steht.

Weil wir alle eine sind, könnte wie beim Frauenmagazin freundin ein solches Motto heißen. Unser Verlag ist Spezialist für Handwerker oder Wissen für die Grundschule. Worin liegt genau mein Angebot, was unterscheidet mich von der Konkurrenz? Solche Fragen bedürfen hier einer Antwort.

Die Amerikaner haben das Erfolgsprinzip „Unverwechselbarkeit“ schon lange erkannt und dafür (more…)

Dick & Doof

Montag, Februar 15th, 2010

Die gelungenste Paarung der Filmgeschichte bleibt für mich Stan Laurel und Oliver Hardy. Das Klamauk-Duo Dick & Doof, Clever & Dürr, Listig & Tolpatschig.

Das waren zwei Typen, die sich einprägten, markante Temperamente, denen man auch nach Jahrzehnten mit Freunde zusieht. Stan & Olli, keine wohlgeformte Allerweltskerle, sondern Knautschgesichter, die Geschichten erzählen. Originalität als Erfolgsformel.

Heute bleibt Originalität weitgehend unerwünscht. In der (more…)

Der Ziegelbrenner

Freitag, Februar 5th, 2010

geheimnisvoller Schriftsteller München der-ziegelbrenner-b-traven-marut.jpgAm 1. September 1917 erscheint die erste Ausgabe eines steinroten Heftchens: Der Ziegelbrenner. Der grausame Erste Weltkrieg mit seinen Grabenkämpfen tobt, in Deutschland gärt die Vorrevolution.

Verlegt wird die neue Zeitschrift in München 23, das ist Schwabing. Als Herausgeber zeichnet ein gewisser Ret Marut, von Profession Schauspieler oder Student, oder was auch immer.

Dieser geheimnisvolle Ret Marut heißt in Wirklichkeit ganz anders und wird zehn Jahre später nochmals einen ganz anderen Namen annehmen. Als B. Traven wird er von Mexiko aus zum gefeierten Weltautoren.

Nicht nur der Name des Herausgebers ist eine Finte, auch über die Periodizität und Hintergrund der Publikation wird der Leser gerne im Dunklen gelassen. Das nächste Heft erscheint im Juli. Vielleicht. Vielleicht auch später.

40 Pfennige kostete das erste Heft, später steigt der Preis rasant. Die braunrote Zeitschrift erscheint von September 1917 bis Dezember 1921 in 13 Heften, die Marut als 40 Nummern zählt.

Der Inhalt des Ziegelbrenner liest sich (more…)

Die Banken stehen hinter uns!

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

Wer in der Vergangenheit seine Expansion auf Kredit finanziert hat, der schaut nun dumm drein. Wer Wachstum um jeden Preis und dann noch auf Pump wollte, der handelte fahrlässig.

Man ernähre sich lieber redlich auf seiner angestammten Scholle, als mit leerem Beutel die Welt erobern zu wollen. Die Banken langen nach Basel II und geplatzten Krediten kräftig zu. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, die als Bankenkrise im Oktober 2008 begann, wird die Kreditvergabe sehr viel restriktiver gehandhabt.

Die Banken arbeiten schon seit langem an standardisierten Ratings ihrer Geschäftskunden. Und neben der Abfrage der üblichen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen können dann solch scheinbar harmlose Fragen gestellt werden wie (more…)

Fotokiste: Erwin Huber

Samstag, Januar 30th, 2010

erwinhuberstock.jpg

München, den 23. Oktober 2003

Als ich vor über 15 Jahren aus dem Rheinland nach Bayern zog, da hatte ich auch meine Vorurteile im Koffer. Eines dieser Vorurteile lautete: Die CSU, das wäre doch ein ziemlich bornierter Haufen meist alkoholisierter Ewig-Gestriger. So jedenfalls hatten uns das die SPD und der WDR jahrelang gesagt.

Weit gefehlt. Die Wahrheit vor Ort sah dann doch ein wenig anders aus.

Über die Jahre kam ich ins Gespräch mit (more…)

Gefühl statt Produkt

Donnerstag, Januar 14th, 2010

Der Mensch kauft nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch. Der Konsument dürstet nach Emotion, die sein Alltag oft nicht bietet.

In diese Emotionslücke springen Konsumanbieter und Werbung. Überall, wo für austauschbare Produkte wie Autos, Uhren oder Versicherungen geworben wird, läuft diese emotionale Kiste ab.

Zurecht, denn Kaufentscheidungen fallen heute immer emotional, fast nie rational, wie uns manche Betriebswirte weismachen wollen. Ein Kunde kauft keine Versicherung, er kauft (more…)

guter Journalismus

Freitag, Januar 8th, 2010

Das einfache Rezept des guten Journalismus: Ein guter Journalist muss (more…)

Online oder Print?

Sonntag, Dezember 27th, 2009

Sind wir mit Zeitungen und Zeitschriften (more…)

Mein Magazin des Jahres 2009: The Economist

Montag, Dezember 21st, 2009

economist.jpgNehmen wir einmal an, ich dürfte auf die berühmte Insel nur eine Zeitschrift mitnehmen, dann würde mir die Wahl nicht schwerfallen. The Economist. Einen profunderen und kurzweiligeren Einblick in die Welt ist nirgends zu finden.

Wahrscheinlich ist The Economist das beste Nachrichtenmagazin der Welt. Sicher, es gibt einige mit höherer Auflage und vielleicht auch einige höherem Gewinn. Aber es gibt wohl keine Zeitschrift, die mehr Einfluß besäße als das Wochenblatt aus London.

Dabei hat über die Jahrzehnte dieses Magazin einen eigenen, ja eigenwilligen Stil entwickelt. Die Titel sind plakativ, oft frech, zumindest aber überraschend.

Das setzt sich in den Artikeln fort. Die Inhalte sind stets fachkundig, aber verständlich. Überschriften und Bildunterschriften kommen sehr keck daher. Und der letzte Absatz oder der letzte Satz eines Artikels ist oft ein Kabinettstückchen für sich. Er fasst zusammen, hebt den Zeigefinger oder versucht sich in Prophetie, aber dies immer mit einem Augenzwinkern.

The Economist zeigt sich (more…)