Archive for the ‘Orte’ Category

Die neue Kandahar

Samstag, Januar 2nd, 2010

kandahar-gap.jpgGAP. Das Schneeparadies in der Doppelstadt Garmisch und Partenkirchen. Das idyllische GAP ist im März Austragungsort der Weltmeisterschaft 2011 in der alpinen Abfahrt.

Aus diesem Grund hat man vor kurzem die Traditionsstrecke Kandahar runderneuert.

Jetzt geht es nicht mehr mit dem alten klapprigen Zweiersitzer auf das Kreuzjoch, sondern mit dem modernen Kandahar-Express zum Gipfel.

Um Kollisonen mit der Abfahrt vom Kreuzeck auf dem mittleren Skiweg zu vermeiden wurde am Tröglhang eine Untertunnelung von 90 Metern Länge und acht Metern Breite geschaffen. Die Kandahar verläuft nun über diesem Tunnel.

Auch gibt es nun in Garmisch-Partenkirchen eine (more…)

Fotokiste: Die Schmiere

Mittwoch, Dezember 23rd, 2009

schmiere.jpg

Dieser Name genügt als Programm. Laut Eigenwerbung das schlechteste Theater der Welt - angeblich. Solch ein Eigenlob scheint natürlich leicht übertrieben.

Jedoch mochte Die Schmiere stets wider den Stachel löcken. Die Schmiere wollte immer dagegen halten, sie kultivierte das Aufsässige, betonte ihr intellektuelles Rebellentum.

Der Geist der Macher und Spieler zelebrierte das Anti. Das Anti-Establishment. Das Anti-Konservative. Auch wohl auch das Anti-Theater. Und im Grunde genommen auch das Anti-Kabarett.

In der Frankfurter Schmiere wurde des Abends nicht mit dem Florett gefochten, und auch nicht mit dem Degen. Nein, hier flog in jeder Vorstellung ein wuchtiger Holzhammer durch die heiligen Hallen.

In dem ehrwürdigen Karmeliterkloster zwischen (more…)

pikante Kreuzung

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

dutschkeberlin.jpgDie Studentenbewegung von 1968 und die Zeitungen des Axel-Springer-Verlages waren sich in jenen turbulenten Tagen des Protestes sicherlich nicht in Sympathie oder Zuneigung zugetan.

Auf Studentenseite mit ihrer Leitfigur Rudi Dutschke lautete die Parole Enteignet Springer! und auf Seiten des konservativen Verlagshauses schlug so manche Schlagzeile kräftig gegen die aufmüpfigen jungen Leute.

Ein wenig pikant scheint, dass sich seit einiger Zeit die Zentrale des Axel-Springer-Verlages in Berlin nun an der Rudi-Dutschke-Strasse befindet.

Denn seit im April 2008 ein Teil der Kreuzberger Kochstrasse in Rudi-Dutschke-Strasse umbenannt wurde, läuft eben diese Rudi-Dutschke-Strasse direkt an dem Hochhaus vorbei, in dem BILD und andere Springer-Zeitungen ihre Redaktionsbüros haben.

Doch bleibt der (more…)

El Tölpel

Freitag, Oktober 30th, 2009

schneefall-cover.jpgAuszug aus Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Eigentlich hätte ich stutzig werden müssen. Nein, so plump kann die Wirklichkeit nicht daher kommen. Aber beim Menschen und ganz gewiss bei der männlichen Ausprägung des homo erectus lassen sich bisweilen jene Aussetzer beobachten, die man dann später im Rückblick beschönigend als Dummheit oder ausgemachte Tölpelei zu charakterisieren pflegt.

Aber der Reihe nach: Da stehe ich mit meinem leichten silbernen Rimowakoffer inmitten der Passagierschlange aus wohl 15 Personen, die alle am Faucett-Schalter für die Abendmaschine nach Lima einzuchecken gedenken. Und dann kommt plötzlich diese strahlende Schönheit in die Flughafenlobby stolziert, eine blutjunge Frau mit weichen Gesichtszügen, eine zierliche Venus im enganliegenden Kleid, das die wohlgeformten Rundungen noch betont.

Einen vielleicht zweijährigen Jungen trägt sie etwas bemüht auf dem linken Arm. Noch bevor ich mir die Frage beantworten kann, was denn ein solch bezauberndes Geschöpf in einem solch faden Andenkaff wohl zu suchen hat, steuert sie schnurstracks auf eine Person aus der langen Warteschlange zu. Diese Person bin ich.

Mit strahlenden Augen und dem betörendsten Lächeln, das ich seit (more…)

Ein Reise in die USA

Dienstag, Oktober 20th, 2009

usanewyork.jpgWer zum ersten Mal den Boden der Vereinigten Staaten von Amerika betritt, der wird schnell mit der ruppigen Wirklichkeit konfrontiert.

Die Einreise in die USA gestaltet sich bisweilen, nun ja, etwas zäh. Man könnte auch sagen,  dass man an der Grenze zunächst wie ein gewissenloser Schwerverbrecher oder wie ein potentieller Sozialschmarotzer gesehen wird.

Besonders wenn man am John F. Kennedy-Airport den ersten Schritt in New York macht, zeigen sich Zollinspektion und Einreisebehörde als überaus rigide.

Doch man muss wissen warum. Die Vereinigten Staaten kennen kein Meldewesen, es gibt keine Personalausweise und einen Pass braucht nur der, der ins Ausland will.

Kurz, wer einmal drin ist in den United States of America, der ist drin. Im Innern wird nicht mehr arg kontrolliert.

Aus diesem Grund verlagert sich der Kontrolldruck auf die Landesgrenzen. Zwischen Mexiko und Kalifornien steht eine hohe hässliche Mauer, auf JFK ein resoluter Einreisebeamter.

Vor Jahren empfing mich ein solcher Grenzer schon von weitem mit dem Gruß (more…)

Speaker at The Grand Ballroom

Freitag, Oktober 16th, 2009

fippnyc.jpg

Es gibt Tage, da läuft es einfach. Dieser 24. Mai 2005 war ein solcher Glückstag. Im Grand Ballroom des Waldorf=Astoria als Redner auf der Bühne. Dort, im dritten Stockwerk des Hotels, auf jener Bühne, auf der schon Louis Armstrong und John F. Kennedy standen. Ein Traum für einen Vortragsredner!

FIPP, dieser 1925 von französischen und spanischen Verlegern gegründete Verband, lud zum Weltkongress, den man alle zwei Jahre zelebriert. Und über 1.000 Zeitschriftenverleger aus aller Welt folgten dem Ruf der Federation Internationale de la Presse Periodique.

Das Event war hoch professionell vorbereitet. Drei Riesen-Bildschirme über der Bühne für die Zuhörer im Saal, neben dem Pult zwei Teleprompter zum Ablesen des Vortrages, ein verdeckter Zeitmesser für den Redner. Und eine Regisseurin, die mit Headset und Ablaufplan bei der Sprechprobe am Vorabend über die Bühne sprang wie ein Feldwebel auf dem Kasernenhof.

Making Things Happen in a Digital World. Drei Panel-Statements plus Diskussion und Fragen aus dem Publikum. Ned Desmond von TIME moderierte. Das Ganze war inhaltlich nicht ohne, denn (more…)

Fotokiste: Der Gockel kämpft

Montag, Oktober 12th, 2009

hahnenkampf-in-lima-peru.jpgLima/Peru, im Dezember 1985

Für den Erfolg beim Hahnenkampf sind neben der Rasse auch das Training, Glück und vor allem die Präparation der Klinge ausschlaggebend.

Der Sporn des linken Fußes, das natürliche Verteidigungsinstrument der Tiere, wird abgeschnitten, weil beim Kampf die Klinge an dessen Stelle tritt und wie eine Verlängerung der Hinterkralle wirkt.

Die aus Spezialstahl in Handarbeit gefertigte acht Zentimeter lange, leicht mondförmig gekrümmte Klinge wird mit Stoßrichtung nach oben angesetzt und mit einer fünffaserigen Hanfkordel festgezurrt. Ein dicker Lederschurz wird um den Fuß gebunden, damit er die Kampfkralle schützt.

„Der Klingenfuß ist kampfentscheidend“, meint (more…)

Herzogstrasse: Marut & Mermet

Montag, Oktober 5th, 2009

in-munchen-die-herzogstrasse-schwabing.jpgHier im Herzen Schwabings mit seinen feinen Häusern aus der Jahrhundertwende zeigt sich München von einer sonnigen Seite. Ein ruhiger Autoverkehr, wenig Lärm und grüne höhe Bäume verleihen dem Bohème-Viertel eine unbeschwerte Note.

Die Herzogstrasse liegt in Rufweite zur Clemensstrasse, dort wo der mysteriöse Schriftsteller Ret Marut sein Quartier bezog.  Und just in der parallelen Herzogstrasse wohnte Irene Mermet, Maruts Lebensgefährtin.

In München meldete sich Irene Mermet, eine  ehemalige Studentin der Düsseldorfer Hochschule für Bühnenkunst, am 24. November 1915 an, nachdem ihr Freund Ret Marut sich schon zwei Wochen zuvor als angeblich amerikanischer Staatsbürger und stud.phil ins Münchner Melderegister hat eintragen lassen.

Als Tochter eines Kölner Kohlehändlers besaß (more…)

DDR: Fo bei Brecht

Montag, September 28th, 2009

ddr3.jpgOst-Berlin, den 18. Juni 1982

Theater am Schiffbauerdamm in Ost-Berlin. Das Berliner Ensemble. Das Haus von Bertolt Brecht.

Lange vor der Wende. Noch zu Zeiten der DDR, die sich damals für das bessere Deutschland hielt. Der Hauch der Literaturgeschichte weht durch den klassizistischen Bau und erzeugt Gänsehaut.

Doch heute Abend wird nicht Bert Brechts episches Theater gegeben, sondern Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Für 2,05 Ost-Markt. Das Theater kommt adrett renoviert daher und strahlt im Glanze.

Dario Fo, das ist eine italienischer Theater-Anarchist, kein Mann für zarte Zwischentöne, sondern für’s Grobe. Eigentlich keine große Bühne, vielmehr Straßentheater und Agitationsklamauk, eine Art sozialistische Commedia dell’arte. Meist ist es albern, manchmal lustig und überraschenderweise gab es dafür 1997 den Literatur-Nobelpreis.

Bezahlt wird nicht! handelt von der Auseinandersetzung (more…)

Teddy Stauffer und die Mäuse

Donnerstag, September 24th, 2009

acapulco-modern-2.jpgIn seinen letzten Jahren ist ihm, der noch das kleine Fischerdorf von 8.000 Bewohnern kannte, Acapulco fremd geworden. Meine wunderschöne Bucht von Acapulco ist verschwunden, meinte Teddy Stauffer melancholisch. Statt dessen erblicke er aus seinem Turm am Berghang die wuchtigen Condominiums und Hotelbauten, die den Blick auf die azurblaue Bucht verstellen.

Das neue Acapulco lief an ihm vorbei. Teddy Stauffer hatte zwar Acapulcos erste Diskothek, das Tequila a Go-Go, gegründet, er hatte große und moderne Hotels geleitet. Und 1982 hatte er es noch einmal versucht und mit einem Partner unten am Meer Teddy’s Bar eröffnet, eine wunderschöne weitläufige Bar mit direktem Zugang zum Strand.

Aber auch dieses Projekt schien (more…)