Archive for the ‘Orte’ Category

Fotokiste: Mumbai

Dienstag, Juni 8th, 2010

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Mumbai, im Februar 1982

Auf den Strassen Mumbais feiern Millionen Bakterien wilde Orgien. Die Stadt, die früher Bombay hieß, kommt erbärmlich daher. Chaotisch, laut, elend, es riecht überall nach Fäkalien. In den Strassengräben tummeln sich die Ratten, auf der Fahrbahn patrouillieren Polizisten. Das ist Mumbai: unten Ratten, oben Polizei.

In Kontrast zur pittoresken Architektur und zum bisweilen bräsigen Daseinsfatalismus habe ich in toto selten so geschundene Menschen gesehen wie auf Mumbais Strassen. Nicht nur Armut, was auszuhalten wäre, sondern an jeder Ecke schlimmstes nacktes Elend.

Die schrecklichsten Bettler sind jene, die sich selbst verstümmelt haben, um Mitleid zu erregen. Beispielsweise jene, die nur noch (more…)

Hemingways La Florida

Samstag, Mai 1st, 2010

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In welchem Hotel Barcelonas soll Ernest Hemingway nicht abgestiegen sein! Das Colón wirbt mit ihm, im Majestic war er auch schon, im La Florida sowieso. Vielleicht sollte ein Haus einmal damit werben: In diesem Hotel hat Hemingway nie übernachtet.

Nun, im La Florida hat Ernest Hemingway auf jeden Fall gerne gewohnt. Mitte der 50er Jahre, als er in Spanien auf der Suche nach Toreros, nach Corridas und den Picadores war, aber auch um dem sterbenden Pio Baroja einen Besuch abzustatten.

Und ohne Zweifel ist das Florida das imposanteste und wohl auch faszinierendste Hotel der katalanischen Hafenstadt. Ramón Raventos hatte das Jugendstilgebäude 1925 entworfen und fortan traf sich hier, 500 Meter über der Stadt, die Oberschicht Barcelonas.

Ernest Hemingway hat damals, so wie wir heute, das Stadtzentrum im Taxi Richtung Norden hinter sich gelassen, ist die engen und langen Serpentinen hinauf zum Tibidabo gefahren, um dort oben in dem luxuriösen Hotel dem Lärm der Stadt zu entfliehen.

Das fünfgeschossige Hotel mit dem ockerfarbenen Spitzdach und den beiden Ecktürmen thront fast (more…)

Fotokiste: Lima, die aschgraue Liebe

Dienstag, April 27th, 2010

Lima Peru Reise Inka Urlaub Tourismus Sheraton Hotel lima-sheraton.jpg

Lima sei die hässlichste Stadt, die er kenne, hat einmal der peruanische Literat Alfredo Bryce Echenique kund getan, wofür er im eigenen Land prompt ziemlich viel Prügel einstecken durfte. Prügel, die er jedoch mannhaft ertrug, wie ein Caballero, der sich bis in die Hutspitze im Recht wähnt.

Wenn man in Südamerika eine typische Dritte-Welt-Stadt zu benennen hätte, so verkörpert diesen Typus wohl idealtypisch jene blasse Metropole am Pazifik. Dieses Lima mit bettelnden Müttern und klauenden Kindern, mit Vätern, die keine Arbeit finden und saufen gehen, mit Kraterlandschaften, die sich Straßen nennen, diese Stadt mit Wasserhähnen, aus denen häufig eine braune Sauce tröpfelt und mit Menschen vor katholischen Suppenküchen, die von Jahr zu Jahr mehr werden.

Dieses Lima erweist mehr und mehr sich als Stätte des verzweifelten Lebenskampfes bei Tag und der kleinen und großen Gauner bei Nacht. Um die Metropole herum haben (more…)

Ja, wo sind sie denn?

Mittwoch, April 21st, 2010

strandkorbe-auf-sylt.jpgSylt, im April 2010

Ich mag Sylt, und besonders mag ich Sylt im Frühjahr, wenn die Touristen noch nicht da sind.

Denn Sylt ist keine Insel, Sylt ist eher ein Lebensgefühl, mehr noch, Sylt ist ein Jungbrunnen für steife Glieder und vertrocknete Organe.

Auf Sylt weht meist eine solch steife Brise, dass es einen umzuhauen droht. Aber genau diese Urkraft ist es, die die Insel so attraktiv macht. Die frische jodhaltige Luft bläst dem feinstaubgeplagten Städter von morgens bis abends ohne Unterbrechung entgegen.

Damit man nicht (more…)

Trecker und Jet

Sonntag, April 11th, 2010

Lufthansa Urlaub Reise Sylt Westerland Nordsee lufthansa-und-traktor.jpgWesterland/Sylt, im April 2010

Bisweilen prallt die neue Welt der modernen Technik auf die alte.

Da fliegt der Canadair-Jet leise und angenehm in einer Stunde von München nach Sylt.

An Bord ist alles vom neuesten, vom feinsten und besten, wie bei der Lufthansa nicht anders gewohnt.

Und kaum ist der Düsen-Jet auf der Insel in Westerland Airport gelandet, tuckert schon (more…)

Fotokiste: Joaquin García Sánchez

Freitag, März 26th, 2010

iquitos-kirche.urwald urlaub LAN Lufthansa fernreise dschungel tropen gott Vatikan Kathedrale KatholizismusjpgInmitten des schwülen Urwaldes thront majestätisch La Iglesia Matriz, 1919 erbaut, mit dem hellen Kirchturm, der sich wie ein erhobener Finger gen Tropenhimmel reckt.

Es ist dies die schönste Kirche weit und breit und für mich unter allen einfachen Gotteshäusern die imposanteste überhaupt. So klar, so weiß und so makellos.

Mit Pastoren einen normalen Umgang zu pflegen, gestaltet sich mitunter schwierig. Oft erscheinen sie einfach zu weit weg von dieser Welt und zu nahe an Gott.

Der Kirchenherr von Iquitos, Pater Joaquin García Sánchez, hingegen ist ein Mann, der mit beiden Beinen und vor allem mit ganzem Herzen im Diesseits lebt.

In dieser gewaltigen Urnatur mitten im peruanischen Dschungel braucht es auch keinen Priester, der von Paradies oder Hölle schwadroniert, wo doch das Paradies draußen vor der Tür zu finden ist, und die Hölle (more…)

München 2018

Montag, März 1st, 2010

Olypische Spiele Sponsoren Deutsche Bank Lufthansa München Garmisch Partenkirchen Ski Schnee Ferien 2018.jpg

Die sympathischen Spiele von Vancouver gehen so langsam ihrem Ende zu. Und vielleicht wird man in 8 Jahren eine ähnlich ungezwungene und heitere Olympiade in bayerischen Gefilden feiern können.

Denn der Großraum München bewirbt sich um die olympischen Winterspiele im Jahre 2018. Eine alpine Infrastruktur steht und funktioniert. Nun wird für München 2018 kräftig getrommelt.

Toll, MUC 2018, das wird ein Fest! Die Pläne liegen (more…)

Fotokiste: Goldrausch

Dienstag, Februar 16th, 2010

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Laberinto/Peru, im Januar 1986

Mit jedem Tag werden es mehr Männer, die von Hoffnung und Verzweiflung getrieben, sich in die Täler und Flussläufe von Madre de Dios aufmachen. Madre de Dios heißt ins Deutsche übersetzt Muttergottes, was für einen Landstrich voller Gold in der Erde eigentlich kein schlechter Name ist.

Und so hegen hier viele den Glauben, in den unwegsamen Goldfeldern ihrem geschundenen Leben eine Wende zum Guten geben zu können. Dreißigtausend, vielleicht auch vierzigtausend Goldwäscher durchkämmen die steinigen Flussläufe dieser Einöde zwischen Peru und Brasilien.

Laberinto, ein verregnetes Fleckchen am Flussufer des Rio Inambari, sieht aus wie (more…)

Cuba 1983

Freitag, Januar 22nd, 2010

Kuba Schneefall in den Tropen Buch amazon Buchhandel BoD schneefall-cover.jpgAuszug einer Reisereportage aus Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Durch die engen, zerbröselnden Gassen der Hauptstadt schieben sich graue Moskvichs und vorrevolutionäre Chevrolets. Entlang den Strassen sieht man keine Reklame wie im Westen, es sei denn politische. Wir wohnen im Capri, einem hohen, breiten Luxushotel, dem man die Jahre so langsam ansieht.

In vorrevolutionären Tagen hatte die Mafia Cubas Hauptstadt fein aufgeteilt, Havannas Nächte hörte auf das Kommando der Bosse aus Chicago oder New York. Über das Capri herrschte Nicholas di Constanzo, im Deauville hatte Santo Trafficante junior das Sagen, Meyer Lansky machte das Hotel Riviera unsicher, sein Bruder Jack war der Platzhirsch im Hotel Nacional.

Wenn Al Capone in Havanna weilte, ließ er sich immer das Zimmer (more…)

Die neue Kandahar

Samstag, Januar 2nd, 2010

kandahar-gap.jpgGAP. Das Schneeparadies in der Doppelstadt Garmisch und Partenkirchen. Das idyllische GAP ist im März Austragungsort der Weltmeisterschaft 2011 in der alpinen Abfahrt.

Aus diesem Grund hat man vor kurzem die Traditionsstrecke Kandahar runderneuert.

Jetzt geht es nicht mehr mit dem alten klapprigen Zweiersitzer auf das Kreuzjoch, sondern mit dem modernen Kandahar-Express zum Gipfel.

Um Kollisonen mit der Abfahrt vom Kreuzeck auf dem mittleren Skiweg zu vermeiden wurde am Tröglhang eine Untertunnelung von 90 Metern Länge und acht Metern Breite geschaffen. Die Kandahar verläuft nun über diesem Tunnel.

Auch gibt es nun in Garmisch-Partenkirchen eine (more…)