Archiv der Kategorie: Menschen

Fotokiste: Octavio Paz

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Im Ausland gilt Octavio Paz als eher Konservativer, doch in seiner mexikanischen Heimat gibt er die liberale und aufmüpfige Kulturzeitschrift Vuelta heraus. Eigentlich ist er ein Poet und Intellektueller mit Ecken und Kanten, jemand, der so recht in keine der üblichen Schablonen passen will.

Von Octavio Paz gibt es das Gedichtbändchen Suche nach einer Mitte, und dies mag vielleicht als Leitspruch seines Lebens gelten – weniger politisch, das auch, sondern eher philosophisch. Die Literatur ist, um einen etwas altmodischen Begriff zu verwenden, Zwiegespräch. Sie habe dem Dialog, dem Diskurs und dem Ausgleich zu dienen.

Schon richtig, meint er darauf angesprochen, er suche die Balance der Extreme, den Kompromiss von Kapitalismus und Kommunismus, den Ausgleich von Vernunft und Gefühl, von Wirklichkeit und Idee. Denn die beiden vorgeblichen Paradiese, das kapitalistische wie das sozialistische, haben sich zu Höllenbildern gewandelt.

Paz sieht das Scheitern aller Weiterlesen

ferner Ogilvy

David Ogilvy advertising Werbung Agentur agency ads promotion books Werbekampagne ogilvykarte.jpgWer die Filiale der Werbeagentur in New York besucht, der kriegt eine Visitenkarte. Schön rot, auf der Rückseite mit der Unterschrift des Gründers: Ogilvy.

Das nenne ich Traditionspflege. Der Mann mit der Unterschrift hat sein Unternehmen vor Jahrzehnten schon verkauft und er selbst ist seit über zehn Jahren tot.

Aber trotzdem prangt er noch heute auf der Visitenkarte. Er wird gelesen, er geht jeden Tag durch Dutzende Hände, er wird bestaunt, bewundert, er wird verehrt. David Ogilvy.

Der Mann bleibt im Gedächtnis. Er ist nicht Weiterlesen

Fotokiste: Richard Stolley

Richard Stolley TIME Magazine Journalist Verleger People Publisher Life

Palo Alto/California, im Juli 2005

Richard Stolley gilt drüben in den USA als Legende im Journalismus. Als ein Blattmacher, dessen Wort in der Branche zählt.

Stolley ist ein netter älterer Herr vom guten Jahrgang 1928, in Ehren ergraut und bedächtig in der Sprache. Aber in dem hektischen Geschäft mit Zeitschriften erfahren wie kein zweiter ist.

Möglicherweise lässt sich weit und breit kein zweiter Publizist finden, der mehr Einblick und mehr Erfahrung im Magazinjournalismus vorweisen kann als dieser Dick Stolley.

Dick arbeitete zwei Jahrzehnte bei der berühmten Hochglanz-Illustrierten Life. Das Wochenblatt ging in die Annalen der amerikanischen Magazinhistorie ein, weil die Zeitschrift nicht wegen Erfolgslosigkeit, sondern wegen zu viel Erfolg eingestellt werden musste. Die Weiterlesen

Fotokiste: Mike Meiré

Mike Meiré der beste Designer ein junger Wilder aus Köln mike-meire designer.jpgKöln, den 28. Mai 1991

Als Meiré und Meiré noch nicht die großen Stars der Design-Szene in Deutschland waren, sondern hoffnungsvolle Newcomer, saßen ein paar junge Burschen draußen im Westen von Köln.

Im fast schon ländlichen Stadtteil Königsdorf bei Frechen, umgeben von einem üppigen Forst. Wilde Ideen wurden hier Im Klosterhof ausgeheckt, in einem weitläufigen Anwesen, das im achten Jahrhundert von Benediktinern erbaut wurde.

Doch zog durch das alte Gemäuer solch frischer Geist, der schon damals Großes erahnen ließ. Die Optik der frühen Jahre von Meiré und Meiré war reduziert und knallig zugleich, modern und doch irgendwie klassisch.

Eigentlich gibt es zwei Meirés. Da ist Weiterlesen

DDR: Fo bei Brecht

ddr3.jpgOst-Berlin, den 18. Juni 1982

Theater am Schiffbauerdamm in Ost-Berlin. Das Berliner Ensemble. Das Haus von Bertolt Brecht.

Lange vor der Wende. Noch zu Zeiten der DDR, die sich damals für das bessere Deutschland hielt. Der Hauch der Literaturgeschichte weht durch den klassizistischen Bau und erzeugt Gänsehaut.

Doch heute Abend wird nicht Bert Brechts episches Theater gegeben, sondern Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Für 2,05 Ost-Markt. Das Theater kommt adrett renoviert daher und strahlt im Glanze.

Dario Fo, das ist eine italienischer Theater-Anarchist, kein Mann für zarte Zwischentöne, sondern für’s Grobe. Eigentlich keine große Bühne, vielmehr Straßentheater und Agitationsklamauk, eine Art sozialistische Commedia dell’arte. Meist ist es albern, manchmal lustig und überraschenderweise gab es dafür 1997 den Literatur-Nobelpreis.

Bezahlt wird nicht! handelt von der Auseinandersetzung Weiterlesen

De Mauri – vielleicht.

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Caorle/Italien, im September 2009

In der Trattoria deute ich auf das runde, bunte Holzschild. Hemingway? Fragend hebe ich meine Stimme. Ja, Hemingway, meint die wohl 60-jährige blondierte Inhaberin, er habe hier oft gegessen, mit seinem Freund, dem Baron Raimondo Franchetti, und mit dem Besitzer des Restaurants, Alessandro de Mauri.

De Mauri – Dove Hemingway, Franchetti, de Mauri soggiornarono steht auf dem Schild. Wo Hemingway, Franchetti und de Mauri sich einfanden. Hier werde der Fisch noch zubereitet wie zu Hemingways Zeiten.

Wenn der Schriftsteller und der Baron von der Entenjagd in den Lagunen von Caorle zurück gekehrt seien, dann hätten sie Weiterlesen

John Huston’s „Der Schatz der Sierra Madre“

john-huston-treasure-of-sierra-madre.jpgJohn Huston will 1947 Travens Roman Der Schatz der Sierra Madre verfilmen. Der 41-Jährige John, der sechs Jahre zuvor mit seinem Debütfilm Der Malteser Falken Aufsehen erregt hat, ist vernarrt in die Story um drei mittellose Goldsucher, die das gelbe Metall in den Wahn und Untergang treibt.

Ich weiß, zu welchen Taten Menschen fähig sind, wenn Gold ins Spiel kommt, wird Howard, einer der Goldsucher sagen. Walter Huston, Johns Vater, verkörpert den alten Goldsucher Howard, Humphrey Bogart den Dobbs und Tim Holt den Curtin.

John Huston freut sich auf das Filmprojekt: Endlich wird sich die Gelegenheit ergeben, jenen mysteriösen Autor B. Traven zu Gesicht zu bekommen. Der junge Regisseur schickt sein Drehbuch an Travens Agentin mit der Bitte um Weiterleitung.

Und tatsächlich meldet sich B. Traven bei dem Regisseur und beide vereinbaren für Ende 1946 ein Treffen im Hotel Bamer an der Alameda in Mexiko City. John Huston platzt voller Erwartung, den geheimnisvollen Señor Traven zu treffen.

Der hochgewachsene John Huston findet sich zur Weiterlesen

David Ogilvy

ogilvy.jpgDie sonore Stimme am Telefon kam gleich zur Sache. Hallo Dr. Stock, hier ist David Ogilvy. Überaus freundlich, dass Sie mich eingeladen haben zu Ihrem Event in Düsseldorf.

David Ogilvy rief aus Frankreich an, wo er im Westen nahe Tours ein Chateau in Touffou besaß und wohin er sich als Ruheständler zurück gezogen hatte. Aber ich vermag nicht zu kommen. Ich bin zu alt.

Er danke für die Neuauflage seines Buches. Ob so ein alter Knochen den Jungen noch etwas zu sagen habe, fragte er verschmitzt. Sicher, antwortete ich, gute Ideen altern nicht.

David Ogilvy ist der Vater aller Werbetexter. Jahrgang 1911. Im englischen Surrey geboren. Eigentlich ist Ogilvy der Vater der modernen Werbung überhaupt.

Im Jahr 1948 gründete er die New Yorker Agentur Ogilvy, Benson & Mather, die in jenen Tagen den Standard setzte. Werbung, das war Ogilvys Credo, müsse verkaufen. If it doesn’t sell, it isn’t creative.

Er war zugleich einer der ersten Weiterlesen