Archive for the ‘Fotokiste’ Category

Fotokiste: Der Gockel kämpft

Montag, Oktober 12th, 2009

hahnenkampf-in-lima-peru.jpgLima/Peru, im Dezember 1985

Für den Erfolg beim Hahnenkampf sind neben der Rasse auch das Training, Glück und vor allem die Präparation der Klinge ausschlaggebend.

Der Sporn des linken Fußes, das natürliche Verteidigungsinstrument der Tiere, wird abgeschnitten, weil beim Kampf die Klinge an dessen Stelle tritt und wie eine Verlängerung der Hinterkralle wirkt.

Die aus Spezialstahl in Handarbeit gefertigte acht Zentimeter lange, leicht mondförmig gekrümmte Klinge wird mit Stoßrichtung nach oben angesetzt und mit einer fünffaserigen Hanfkordel festgezurrt. Ein dicker Lederschurz wird um den Fuß gebunden, damit er die Kampfkralle schützt.

„Der Klingenfuß ist kampfentscheidend“, meint (more…)

Fotokiste: Guy Kawasaki

Mittwoch, September 30th, 2009

guykawasaki-at-stanford.jpg

Palo Ato/California, im Juli 2005

Ich habe in meinen Berufsleben schon zahlreiche Reden und Vorträge gehört. Und so manche ertragen müssen. Denn viele Redner waren langweilig, eintönig, ohne jeden Pep und Witz.

Geht es darum, den besten Vortrag, den ich jemals erlebt habe, zu benennen, kommt mir einer rasch in den Sinn. The Art of the Start, eine Vortrag von Guy Kawasaki, an der Stanford University im Sommer 2005.

Da merkte man inhaltliche Substanz, da sprach die pure Leidenschaft, das pochte das Herz des Praktikers, da zündete die feurige Analyse des Strategen: Hier schien der richtige Mann zu sein, mit dem richtigen Thema am richtigen Ort.

Guy Kawasaki ist eine richtige Type. Jeans, offenes Hemd, verschmitztes Lächeln. Der US-Amerikaner japanischer Abstammung hat bei Apple 1984 das Marketing für den Macintosh betreut, bevor er (more…)

Fotokiste: Fossalta di Piave

Freitag, September 18th, 2009

ernest-hemingway-in-fossalta-italia.jpg

Fossalta di Piave, im September 2009

Fossalta liegt eine knappe Autostunde nördlich von Venedig. Am Ende der Via Ragazzi del ‘99, die am Damm vor dem Fluss endet, steht ein Denkmal, das an Hemingways schwere Verwundung erinnert.

Su questo argine, Ernest Hemingway volontario della croce americana veniva ferito la notte dell‘ 8 Luglio 1918. An diesem Deich wurde Ernest Hemingway, Freiwilliger des amerikanischen Roten Kreuzes, in der Nacht des 8. Juli 1918 verwundet.

Der junge Ernest Hemingway hatte sich 1918 freiwillig als Fahrer des Red Cross Ambulance Corps gemeldet, nachdem die USA im April 1917 den Kriegseintritt beschlossen hatten. Er wurde als Fahrer bei Verpflegungsfahrten und im Ambulanzservice eingesetzt. Ernest stand kurz vor seinem 19. Geburtstag, eigentlich noch ein Junge, aber schon ein Kerl wie ein Baum.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1918 war Hemingway auf Versorgungsfahrt entlang der Piave an einer Stelle, die die Einheimischen Buso de Burato bezeichnen. Per Fahrrad soll er (more…)

Fotokiste: Helmut Weyh und das Kreative Haus

Montag, September 7th, 2009

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Worpswede, den 3. Dezember 1990
(Wolfgang Stock, Patrick Krause, Helmut Weyh)

Das Kreative Haus liegt auf der Anhöhe über einer Strasse, die hier Hinterm Berg genannt wird. Helmut Weyh hat, mit Blick für das Große und auch für das Detail, dieses Kreative Haus zu einer ersten Adresse für Führungskräfte entwickelt.

Dieses Kreative Haus setzt dem Künstlerdorf Worpswede mit all seinen Galerien und Museen ein weiteres Glanzlicht auf. In liebevoller Arbeit haben Helmut Weyh und seine Lebensgefährtin, deren Anteil nicht gering geschätzt werden darf, hier ein verrücktes, phantastisches und anregendes Gebäude mit Leben gefüllt. Und wer einmal etwas Besonderes erleben möchte, dem sei das Vorbeischauen angeraten.

Der Bildhauer und Maler (more…)

Fotokiste: Rudi Dutschke

Montag, August 24th, 2009

Eine Postkarte von Rudi Dutschke aus dem Lufthansa Flieger

Arhus/Dänemark, im März 1979

Zur 68er Bewegung gehörte ich nicht. Da war alleine schon die Gnade der späten Geburt vor. Als ich Mitte der 70er Jahre an die Universität kam, da war die unruhige Zeit schon vorbei und von ein paar vereinzelten akademischen Scharmützel abgesehen, war meine Studentengeneration ruhig und angepasst.

Trotzdem erkannte ich, dass diese 68er-Bewegung historisch Bedeutsames geleistet hatten. Da war ja nicht nur das Aufbäumen der Studenten gegen den Muff in den Talaren, sondern auch ein Einfordern der Jungen nach mehr Teilhabe, nach Öffnung und auch nach Aufrichtigkeit.

Während die Vätergeneration nach den dunklen Jahren ihre Erfüllung darin fand, aus dem physisch und moralisch zerbombten Deutschland ein Wirtschaftswunderland zu schaffen, stellte die 68er-Studentengeneration endlich wieder (more…)

Fotokiste: Gerd Gerken

Donnerstag, August 13th, 2009

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München, den 16. September 1992
(Gerd Gerken, Norbert Bolz, Wolfgang Stock)

Gerd Gerken wohnte in Worpswede, was einerseits passte, anderseits auch nicht. Denn dieses gefällige und etwas spleenige Künstlerdorf passte zu diesem bohemienen Autor, andererseits besaß er nicht diese Behäbigkeit und Erdverbundenheit der Niedersachsen rund um das Teufelsmoor.

Stets in feines schwarz-weißes Tuch gekleidet empfing Gerd Gerken seine Gäste in der umgebauten Remise des Kreativen Hauses, die er von Helmut Weyh gemietet hatte und wo er Hof hielt inmitten von (more…)

Fotokiste: Paul Julius Reuter

Samstag, August 1st, 2009

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Auf dem idyllischen Platz am Hinterausgang des Royal Exchange Building, nahe der Bank of England, haben die Londoner dem Paul Julius Reuter ein drei Meter hohes Denkmal aus weißem Granitstein errichtet.

Paul Julius Reuter - steht da auf Englisch eingemeißelt - geboren 1816 in Kasssel, Germany, gestorben 1899 in Nizza, Frankreich, gründete die Weltnachrichtenagentur, die seinen Namen trägt, in dem No. 1 Royal Exchange Building in der City of London, neben diesem Platz am 14. Oktober 1851.

Reuters einziger Gehilfe beim Start blieb damals ein 12-jähriger Laufbursche namen John Griffith. Eineinhalb Jahrzehnte später war Griffith der erste Geschäftsführer der nun weltweit erfolgreichen Telegraphengesellschaft.

Reuter erkannte, dass es im Geschäft mit Nachrichten und Börsenkursen eines Wettbewerbsvorsprungs bedurfte, dass es hier auf (more…)

Fotokiste: Reise in die DDR

Sonntag, Juli 12th, 2009

ddr.jpgOst-Berlin, den 19. Juni 1975

Nun gibt es ja die Deutsche Demokratische Republik schon seit 20 Jahren nicht mehr und je länger ihr Ableben zurück liegt, desto trüber und verklärter schweift mancher Blick in diese sozialistische Vergangenheit.

Und schon melden sich Demagogen und Vernebler: Ja, das mit der DDR sei doch eigentlich eine gute Idee gewesen, na ja, hier und da vielleicht ein bißchen aus dem Ruder gelaufen, aber im Prinzip war das Ganze doch ganz o.k.

Man darf sich erinnern, wie man in diesen “ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden” hinein kam. Übrigens, heraus kam man gar nicht. Da lag eine hohe Mauer, Minenfelder und der Schießbefehl dazwischen.

Aber auch von West nach Ost zu kommen, war so einfach nicht. Wer von BRD nach DDR wollte, musste sich zunächst (more…)

Fotokiste: John Diebold

Donnerstag, Juli 2nd, 2009

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Düsseldorf, den 22. August 1991

Mr. Automation wurde er genannt. Denn John Diebold, ein Ostküsten-Amerikaner des Jahrgangs 1926, hatte in einem aufsehenerregenden Buch die Automatisierung und Technisierung der Industrie vorhergesagt und analysiert. Das war bereits 1952, als man gerade lernte mit Messer und Gabel zu essen.

Wie die moderne Technik unser Berufs- und Alltagsleben verändern würde, das war sein Thema. Wie beispielsweise Transistoren, Laser oder Faseroptik unsere Zeit revolutionieren würden. Diebold schrieb in seinen Büchern aber nicht nur über neue Technologien, sondern auch über Menschen, über Erfinder und Pioniere, über Ideen, Träume und Enttäuschungen.

Er betrachtete den Produktivitätsgewinn zuerst von Kundenseite. Wie bei den (more…)

Fotokiste: Platz des Himmlichen Friedens

Sonntag, Juni 21st, 2009

chinaplatz.jpg

Peking, 12. Oktober 2000

Wenn man auf dem Platz des Himmlichen Friedens promeniert, dann vermag man einiges über China erspüren. Dieses Land ist groß und gewaltig wie auch dieser Platz, der wohl größte der Welt in einer Metropole. Erst bei mehr als einer Million Menschen ist dieser Platz voll gefüllt.

Dies scheint aber kein Ort für’s Wohlgefühl. Denn eigentlich erdrückt dieser Platz durch seine Imposanz. Diese riesige Fläche, im Norden das Tor des Himmlichen Friedens, dann die Grosse Halle des Volkes und in der Mitte das langgestreckte rötliche Mausoleum mit dem mumifizierten Vorsitzenden Mao. Stalinistische Architektur und kommunistischer Devotionalienkult, ein Ort, merkwürdig, widersprüchlich und wohl auch mental obskur.

Der Besucher, der Augen und Ohren aufsperrt, den überkommt auf Pekings Tiananmen-Platz die Gänsehaut. An jedem Fleckchen (more…)