Archive for the ‘B. Traven’ Category

Der Ziegelbrenner

Freitag, Februar 5th, 2010

geheimnisvoller Schriftsteller München der-ziegelbrenner-b-traven-marut.jpgAm 1. September 1917 erscheint die erste Ausgabe eines steinroten Heftchens: Der Ziegelbrenner. Der grausame Erste Weltkrieg mit seinen Grabenkämpfen tobt, in Deutschland gärt die Vorrevolution.

Verlegt wird die neue Zeitschrift in München 23, das ist Schwabing. Als Herausgeber zeichnet ein gewisser Ret Marut, von Profession Schauspieler oder Student, oder was auch immer.

Dieser geheimnisvolle Ret Marut heißt in Wirklichkeit ganz anders und wird zehn Jahre später nochmals einen ganz anderen Namen annehmen. Als B. Traven wird er von Mexiko aus zum gefeierten Weltautoren.

Nicht nur der Name des Herausgebers ist eine Finte, auch über die Periodizität und Hintergrund der Publikation wird der Leser gerne im Dunklen gelassen. Das nächste Heft erscheint im Juli. Vielleicht. Vielleicht auch später.

40 Pfennige kostete das erste Heft, später steigt der Preis rasant. Die braunrote Zeitschrift erscheint von September 1917 bis Dezember 1921 in 13 Heften, die Marut als 40 Nummern zählt.

Der Inhalt des Ziegelbrenner liest sich (more…)

Herzogstrasse: Marut & Mermet

Montag, Oktober 5th, 2009

in-munchen-die-herzogstrasse-schwabing.jpgHier im Herzen Schwabings mit seinen feinen Häusern aus der Jahrhundertwende zeigt sich München von einer sonnigen Seite. Ein ruhiger Autoverkehr, wenig Lärm und grüne höhe Bäume verleihen dem Bohème-Viertel eine unbeschwerte Note.

Die Herzogstrasse liegt in Rufweite zur Clemensstrasse, dort wo der mysteriöse Schriftsteller Ret Marut sein Quartier bezog.  Und just in der parallelen Herzogstrasse wohnte Irene Mermet, Maruts Lebensgefährtin.

In München meldete sich Irene Mermet, eine  ehemalige Studentin der Düsseldorfer Hochschule für Bühnenkunst, am 24. November 1915 an, nachdem ihr Freund Ret Marut sich schon zwei Wochen zuvor als angeblich amerikanischer Staatsbürger und stud.phil ins Münchner Melderegister hat eintragen lassen.

Als Tochter eines Kölner Kohlehändlers besaß (more…)

John Huston’s “Der Schatz der Sierra Madre”

Freitag, August 28th, 2009

john-huston-treasure-of-sierra-madre.jpgJohn Huston will 1947 Travens Roman Der Schatz der Sierra Madre verfilmen. Der 41-Jährige John, der sechs Jahre zuvor mit seinem Debütfilm Der Malteser Falken Aufsehen erregt hat, ist vernarrt in die Story um drei mittellose Goldsucher, die das gelbe Metall in den Wahn und Untergang treibt.

Ich weiß, zu welchen Taten Menschen fähig sind, wenn Gold ins Spiel kommt, wird Howard, einer der Goldsucher sagen. Walter Huston, Johns Vater, verkörpert den alten Goldsucher Howard, Humphrey Bogart den Dobbs und Tim Holt den Curtin.

John Huston freut sich auf das Filmprojekt: Endlich wird sich die Gelegenheit ergeben, jenen mysteriösen Autor B. Traven zu Gesicht zu bekommen. Der junge Regisseur schickt sein Drehbuch an Travens Agentin mit der Bitte um Weiterleitung.

Und tatsächlich meldet sich B. Traven bei dem Regisseur und beide vereinbaren für Ende 1946 ein Treffen im Hotel Bamer an der Alameda in Mexiko City. John Huston platzt voller Erwartung, den geheimnisvollen Señor Traven zu treffen.

Der hochgewachsene John Huston findet sich zur (more…)

B. Traven legt falsche Fährten

Dienstag, August 11th, 2009

B. Traven nutze im Laufe seines Lebens nicht weniger als 27 verschiedene Namen, seinen richtigen ab nie. Und er legte falsche Fährten und raffinierte Finten, um seine wahre Identität zu verschleiern.

Der Autor von 13 Romanen schirmt sich in Mexiko vor der Neugier der Journalisten ab, er ist scheuer und misstrauischer alter Mann. Die Biografie eines kreativen Menschen ist ganz und gar unwichtig. Meine persönliche Geschichte ist allein meine Angelegenheit und ich will sie für mich behalten.

Er sei der uneheliche Sohn des deutschen Industriellen Emil Rathenau, lässt er streuen. Sein Bruder sei der Außenminister Walther Rathenau in der Weimarer Republik, bindet er seinem Freund, dem mexikanischen Kameramann und Regisseur Gabriel Figueroa - einen veritablen Bären auf.

Und einem jeden erzählt Traven eine andere Räuberpistole. Aber nicht nur (more…)

Clemensstrasse 84/III, München

Donnerstag, Juli 30th, 2009

clemensstr-84.jpgDie Clemensstrasse gefällt als ruhige Schwabinger Seitenstrasse mit kleinen Ladengeschäften und exotischen Restaurants. In Parterre des Hauses Clemensstrasse 84 findet sich der kärgliche Amigo-Getränkemarkt und zugleich ein Café-to-go.

Das hübsche viergeschossige Haus, in feinem laubgrün und weiß gestrichen, hat seinen alten Charme über die Jahrzehnte tapfer erhalten. Und was die wenigsten wissen, dieses Haus Clemensstrasse 84 birgt ein Mysterium der deutschen Literaturgeschichte.

In den Jahren von 1917 bis 1919 hat der Schauspieler und Schriftsteller (more…)

Der Schatz der Sierra Madre

Sonntag, Juli 19th, 2009

traven.jpgAls ich in dem mexikanischen Städtchen in die Buchhandlung gehe, fällt mir ein Schriftsteller direkt ins Auge. B. Traven. Auch wenn in der Buchhandlung nicht allzu viele Bücher vorhanden sind, so ist doch dieser B. Traven sichtbar, mit gleich mehreren Werken.

Ich habe mir dann El Tesoro de la Sierra Madre gekauft und nachdem ich diesen Der Schatz der Sierra Madre gelesen habe, ahne ich, warum die Verehrung für diesen deutschen Autor in Mexiko so gewaltig ist.

Traven pflegt eine klare Sprache, er ist auf der Seite des einfachen Menschen und er hegt eine fast mystische Verehrung für die Indios. Deshalb sind Travens Helden stets die Unterlegenen, die Benachteiligten, sie sind Ausgestoßene und Außenseiter eines zutiefst ungerechten Systems.

Dobbs hatte nichts. Man darf ruhig sagen, er hatte weniger als nichts, weil er nicht einmal ganze und vollständige Kleidung hatte, die unter beschränkten Verhältnissen als ein bescheidenes Anfangskapital angesehen werden darf.

Dieser Fred C. Dobbs aus Der Schatz der Sierra Madre, einem spannenden Roman, den B. Traven 1927 schrieb, ist so eine (more…)