Konkurrent Internet?

Unsere Branche, die Zeitungs- und Zeitschriften-Industrie, so hat es bisweilen den Anschein, starrt auf das Internet wie das arme Kaninchen auf die Schlange. Spricht man mit einem bildungsbürgerlichen Zeitungsleser über das Internet, so hebt dieser zu einem herzzerreißenden Klagelied an: Die Kids lesen nicht mehr, statt dessen Laptop und blau. Facebook, stundenlang, aber kein Magazin, kein Buch.

Wehklagen allerorten, als ob das Ende der abendländischen Kultur unaufhaltsamen Schrittes herannähe. Nun ist ja bekannt, daß jede Generation ob die Kulturlosigkeit der nachfolgenden Zeter und Mordio geschrien hat. Zu Anfang des Jahrhunderts sah man im Kinofilm den Untergang des noblen Theaters, Das TV wiederum sollte das Kino verdrängen. Nichts von dem geschah. Ein Medium verdrängt nicht das andere, aner es verändert es.

So ähnlich funktioniert es mit dem Internet und den Zeitschriften. Da hilft kein Gebrüll. Die Menschen mögen das Internet, es ist ein wunderbares Medium. Die individuelle Zeit-Entscheidung für das Internet in Frage zu stel­len oder mieszumachen, zeugt von einem hochnäsigen und arroganten Menschenbild. Am Rande sei erwähnt: Die Entscheidung pro Internet und contra Print im Einzelfall fällt ja nicht nur, weil das Internet so stark ist, sondern auch weil Zeitung, Zeitschrift und Buch – und dessen Vermarktung – Schwächen zeigt.

Es ist zudem ein Ammenmärchen, dass Internet verdumme unsere Kinder. Nicht das „ob“ im Internetkonsum ist entscheidend, son­dern das “was” und das „wie“. Richtig ist demnach die Formel: Die Klugen werden durch Internet klüger, die Dum­men dümmer.

Internet und Printverlage können sich gegenseitig die Bälle zuwerfen. Die einen besitzen großartige Inhalte, die anderen die unkomplizierte Vertriebswege. In solchen Kooperationen liegt Zukunftsmusik, weil sie strategische Marketingschwächen bei den Verlagen entkrampfen.

Das Internet kann den Verlagen Käufer und Leser zuführen. An dieser Weisheit führt kein Weg vorbei: Ein Auflehnen gegen das Internet ist ein Stem­men gegen die Zeit und damit außerordentlich sinnlos.