Newsweek wird verscherbelt

magazine shop newsstand Barnes & Noble buy newsweekobama.jpgWehmut kommt bei einer Nachricht dieser Tage auf: Das amerikanische Wochenmagazin Newsweek wird für einen symbolischen Dollar an einen Investor verkauft.

Dies empfinde ich deshalb als betrübliche Nachricht, weil Newsweek für eine ganze Generation von Journalisten das Vorzeigemedium schlechthin war. Newsweek, das zweitgrößte Nachrichtenmagazin der Welt und immer noch mit Millionenauflage, zeigte sich stets ein Stück schärfer, schneller und frischer als der Marktführer TIME, und als all die anderen sowieso.

Das Korrespondentennetz galt als vorbildlich, die Kolumnisten herausragend. Top-Journalisten schrieben in dem Blatt. Keiner konnte über die Diktatoren Osteuropas so anschaulich berichten wie der Pariser Bürochef Edward Behr, aber auch die Kulturfeatures von Behr waren einsame Klasse. Die Kolumnisten Lester Thurow, später der schnauzbärtige Robert Samuelson, brachten Wirtschaftsthemen populär auf den Punkt. Und am eloquenten, aber erzkonservativen Kolumnisten George F. Will konnte man sich wunderbar reiben.

All das ist nun Geschichte. Der bisherige Newsweek-Besitzer, die feine Washington Post Company ist froh, die defizitäre Zeitschrift endlich los zu werden. Und was der neue Besitzer vorhat, großes Fragezeichen. Dies ist ein trauriger Tag für die Medienwirtschaft in den USA und ein trauriger Tag für den Journalismus allgemein. Die Einschläge, jedenfalls, kommen näher.

Eine verrückte Welt: Ein Exemplar von Newsweek kostet in den Staaten am Kiosk 5,95 Dollar. Für einen einzigen läppischen Dollar kann man gleich das ganze Unternehmen kaufen.