Das iPad – für Verleger ein Kulturschock

Apple ipad Apple Store wifi umts -und-stockpunkt.jpgNun ist Apples iPad einige Wochen auf dem Markt. Der eine oder andere hat sich ein Gerät besorgt, man hat wie der Klavierschüler zu Klimpern begonnen und weiß nun in etwa, was das iPad kann und was nicht.

Zuerst bei mir das große Erschrecken: In Bezug auf Zeitungen und Zeitschriften herrscht beim iPad ziemlich tote Hose. Etwas Welt, BILD, die New York Times, ein paar Medien-Apps, aber kein originär auf das iPad gerichtetes Angebot. Die Verleger begegnen dem iPad mit einer spürbaren Ratlosigkeit.

Nachdem bei einigen Print-Kollegen, gar schon vor Erscheinen des Wunderdings aus Cupertino, Hektik ausgebrochen war, haben sich die Gemüter nun beruhigt, und ein sachlicher Blick auf das neue Medium löst die Panik ab.

Nach eigenem Ausprobieren und Gesprächen hier nun acht Erkenntnisse:

1. Das iPad wird ein grandioser Erfolg. Es ergänzt die elektronischen Medien irgendwo zwischen Laptop und Smartphone und wird der mobilen Online-Nutzung eine neue Qualität verleihen.

2. Das Internet wird sinnlicher. Durch Touchscreen kommt das Internet kreativer und sinnlicher daher als mit der funktionalen Maus. High tech und high touch. Die Mensch mit seinem Finger nimmt am schöpferischen Prozess teil. Auch der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat erweitert die bisherige Nutzung.

3. Für Print-Verleger bedeutet das iPad ein clash of cultures. Ein Zusammenprall verschiedener Kulturen. Infantile Spiele scheinen wichtiger als hehre Inhalte. Unterhaltung rangiert über Information. Kulturell steht das iPad dem Fernsehen näher als der Zeitung.

4. Das iPad zelebriert eine ganz eigene Darstellungsform. Die lineare Informationsaufnahme von vorne nach hinten, vom Anfang zum Ende, von links nach rechts, von Seite zu Seite, wie bei Print, funktioniert hier nicht optimal.

5. Das iPad ist Bild-lastig, nicht Text-lastig. Viele Fotos, viele Videos, viele Filme, viele TV-Serien, viel Youtube. Wenig, ganz wenig Texte.

6. Die Konversion macht keinen Sinn. Zeitungen und Zeitschriften als e-Paper, pdf oder e-Magazine ins iPad zu stellen, hieße, weit unter den Möglichkeiten des Mediums zu bleiben. Quick ’n‘ dirty geht für Print-Verleger nicht. Selbst bestehende Websites eins zu eins einzubringen, wird dem iPad und seinen Fähigkeiten nicht gerecht.

7. Das iPad besitzt eine eigene Kultur. Diese neue Kultur verlangt eigene Medieninhalte, ein eigenes Mediendesign und eine eigene Mediensprache. Hier wäre ein eMagazine blödsinnig, die Verleger müssen ein iMagazine entwickeln. Steve Jobs aus Kalifornien zwingt uns zu einem ganz neuen digitalen Storytelling.

8. Das iPad gründet eine neue digitale Gattung. Auch wenn das Gerät für die Verleger ein Graus ist, für den heutigen Menschen ist es ein Segen. Für die Online-User jedenfalls ist es großartig: interaktive Nutzung, Touchscreen, brillante Auflösung, beste Lesbarkeit, gute Schnelligkeit. Fotos, Videos, intuitive Steuerung, eigener Store. Das iPad mit seiner magischen Aura wird unseren Umgang mit digitalen Medien verändern und weiterentwickeln.