The Vice President

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New York, den 2. Juni 2010

Man sitzt gemütlich in Gaby’s, in dem vom Jugendstil inspirierten Restaurant des Sofitel, aus dem man die 45. Strasse wunderbar im Auge hält.

Als plötzlich Sirenen aufheulen, Sicherheitsleute auflaufen und Polizei die Strasse zwischen 5. und 6. Avenue absperrt. Draußen frage ich meinen Nachbarn, einen grauhaarigen älteren Herrn, was denn hier los sei. The Vice President, meint er kurz.

Im feinen Harvard Club, ein paar Schritte von Gaby’s entfernt, hält der Vize-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor 125 Personen eine Lunch-Speech zu Gaza, zur Außenpolitik, zur amerikanischen Wirtschaft, zu den sich stabilisierenden Immobilienpreisen und verkündet, dass General Motors wieder Gewinn abwirft.

Bevor der Vize-Präsident dann wieder in seine gepanzerte Limousine steigt, geht er auf die Menschen am Bürgersteig zu, winkt herzlich, schüttelt Hände. Joseph Biden, den man hier Joe nennt, ist jemand, der die guten Eigenschaften Amerikas in sich vereint. Der Mann mit dem markanten schlohweißem Haar ist volkstümlich, charmant, er strahlt Zuversicht aus und gibt sich amerikanisch zupackend.

Wer ist dieser Joe Biden? Ein Jurist des Jahrgangs 1942, Rechtsanwalt, später Rechtsprofessor. Und politisch einer der großen Männer der Demokratischen Partei im Senat, dem er 36 Jahre für den Bundesstaat Delaware angehörte. Und seit Januar 2009 ist Joe der 47. Vize-Präsident der USA und damit Stellvertreter von Präsident Barack Obama.

Ein kluger Schachzug des politischen Aufsteigers Obama. Denn Biden ist Obamas Mann für die Nicht-Obamisten. Mit Biden bindet der Präsident das weiße Partei-Establishment ein, das ländliche Amerika, die Mitte der Partei und wohl auch die Mitte Amerikas.

Und Joe Biden macht seine Sache hervorragend. Fast ist man geneigt zu sagen, er macht sie besser als sein Chef.