iPad: Der Tod des Verlegers

apple-ipad-tablet computer und die verleger mac iPod wireless vodafone T-mobile Damit wir uns nicht missverstehen: Ich finde Apples neuen Tablet-Computer einsame Spitze. Revolutionär. Dieser Mix aus iPhone und Laptop wird die Welt verändern.

Und ich werde mir das iPad sofort kaufen. Mit Begeisterung. Die Vision dieses Produktes mag ich, sie entspricht meiner Lebenswirklichkeit: mobil, überall, jederzeit.

Das Ding wird den Medienkonsum verändern: Nachrichten, Filme, Bücher, Zeitschriften – alles sofort auf Knopfdruck, schnell, unkompliziert. Einfach großartig!

Als Verleger von Zeitschriften jedoch plagt mich der Alptraum. Wenn manche Kollegen meinen, hier komme die Rettung des Verlegens, dann könnte sich dies als Trugschluss herausstellen. Vielleicht kommt hier der Tod des Verlegens. Des traditionellen Verlegers jedenfalls mit Sicherheit.

Denn im Unterschied zum klassischen Abomodell sehe ich für Verlage einige fürchterliche Gefahren:

1. Der Verleger gibt sein Asset, seinen eigentlichen Vermögenswert, aus der Hand: die Kundenbeziehung. Beim iPad kennt der Verleger seinen Kunden nicht mehr, er hat dessen Adresse nicht, kann dessen Kaufverhalten nicht mehr nachvollziehen. Wenn man weiß, dass beim Kauf eines Verlagshauses, dessen Abokartei am höchsten bewertet wird, weiß man um die Sprengkraft dieses Punktes.

2. Der Verleger gibt die Preisgestaltung aus der Hand. Die Online-Kioske werden über kurz oder lang ein Wörtchen bei der Preisgestaltung mitreden wollen. Sie werden ihre eigenen Schwellenpreise durchsetzen wollen. Alles schon vorgekommen.

3. Die Überwachung von Inhalten wird an Schärfe zunehmen. Das Löschen von Dateien oder ganzen Büchern ist nur einen Mausklick entfernt. Zensur, vielleicht nicht unbedingt hier, aber dann dort, wird ein Leichtes.

4. Interessant bleibt die Frage, wie Apple die Erlöse teilen wird. Ein 70/30 Share zwischen Verlag und Apple, was sich auf den ersten Blick nicht schlecht ausnimmt, wird sich als höhere Erlösschmälerung entpuppen als beim klassischen Abonnement. Die Marge, eh schon angeknabbert, wird kleiner.

5. Das iPad wirkt wie ein süßes Gift. Weil Apple mit seinen Traumprodukten den mobilen Markt beherrscht, werden die Verlage abhängig von einem Anbieter. Wenn er nett ist, wird er uns genug lassen. Wenn er will, vermag er uns bei den Konditionen die Pistole an die Brust zu setzen.

6. Was geschieht mit den Anzeigenerlösen? Werden diese a la longue bei den Printobjekten, auch in deren e-Versionen, bleiben? Oder wird das Anzeigengeschäft unabhängig von den Verlagen über die Plattform laufen? Google lässt grüssen!

Ich sage nicht, dass all das so kommen muss, hier hebt ein advocatus diaboli seine Stimme. Aber Gefahr droht. Dem Verleger entgleitet sein Produkt. Die Kontrolle über das Produkt geht an Apple.

Die Gefahr besteht, dass wir des Verlegens enthoben werden. Die Gefahr besteht, dass der Verleger von Zeitungen und Zeitschriften zum Dienstleister degradiert wird. Die Gefahr besteht, dass der Verleger zukünftig als App im iTunes Store sein Dasein fristet.

4 Gedanken zu „iPad: Der Tod des Verlegers

  1. Pit Gottschalk

    Dennoch werden wir nicht umhinkommen, die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen zu führen, um die Chancen zum Business auszuloten. Lieber Herr Stock, ich lade Sie und Ihre Leser gerne zur Diskussion über die Zukunft unserer Branche ein! Unter http://www.pitgottschalk.com

  2. H. Britt

    Sie sehen das zu einseitig, Herr Stock. Für die Leser ist es ein Fortschritt. Und Bäume werden auch gerettet.

  3. André Rothmann

    Ich sehe noch eine andere Gefahr, die Sie nur andeuten. Apple kann zukünftig entscheiden, wer auf die Plattform darf – und wer nicht.

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