Mein Magazin des Jahres 2009: The Economist

economist.jpgNehmen wir einmal an, ich dürfte auf die berühmte Insel nur eine Zeitschrift mitnehmen, dann würde mir die Wahl nicht schwerfallen. The Economist. Einen profunderen und kurzweiligeren Einblick in die Welt ist nirgends zu finden.

Wahrscheinlich ist The Economist das beste Nachrichtenmagazin der Welt. Sicher, es gibt einige mit höherer Auflage und vielleicht auch einige höherem Gewinn. Aber es gibt wohl keine Zeitschrift, die mehr Einfluß besäße als das Wochenblatt aus London.

Dabei hat über die Jahrzehnte dieses Magazin einen eigenen, ja eigenwilligen Stil entwickelt. Die Titel sind plakativ, oft frech, zumindest aber überraschend.

Das setzt sich in den Artikeln fort. Die Inhalte sind stets fachkundig, aber verständlich. Überschriften und Bildunterschriften kommen sehr keck daher. Und der letzte Absatz oder der letzte Satz eines Artikels ist oft ein Kabinettstückchen für sich. Er fasst zusammen, hebt den Zeigefinger oder versucht sich in Prophetie, aber dies immer mit einem Augenzwinkern.

The Economist zeigt sich fest im liberalen Glauben, kommt aber nicht doktrinär daher. Er gibt sich konservativ und doch locker. Das weltweite Korrespondentennetz gehört zu den besten Welt. Das Wochenmagazin schafft den bewunderswerten Spagat zwischen Elite- und Massenmedium, zwischen Anspruch und Popularisierung.

Diese Zeitschrift ist, wenn man so will, ein Weltmagazin. Gelesen, beachtet und gefürchtet auf allen Kontinenten. Gekauft in über 200 Ländern. Es hat den Sprung geschafft von der Londoner City hinaus in die Welt. Über 1,4 Millionen beträgt die Weltauflage, davon werden 680.000 Exemplare in den USA und 416.000 Hefte in Europa verkauft.

Das Magazin ist ebenso gut geführt wie sein Mutterverlag. Für andere Verleger mag der Economist als Blaupause gelten. Nicht nur wegen der redaktionellen Qualität, der intelligenten Vermarktung, sondern auch wegen seiner Diversifizierung und den klugen Brand Extensions. Das Konsummagazin Intelligent Life, zahlreiche Konferenzen, Bücher und die Fachdienste runden das Portfolio stimmig ab.

Wir ehren den publizistische Olymp! The Economist. Besser kann man Journalismus heute wohl nicht machen.

siehe auch: Mein Magazin des Jahres 2007
siehe auch: Mein Magazin des Jahres 2008