Steuer im Tarnanzug

Das niedersächsische Finanzgericht hält den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost, so ein Urteil dieser Woche, für verfassungswidrig. Wie schade! Denn die Solidaritätsabgabe, liebevoll auch Soli genannt, habe ich unter sprachlichen Aspekten in den letzten 18 Jahren tief ins Herz geschlossen.

Denn Soli hört sich recht putzig an, und auch bei einer Solidaritätsabgabe mag man sich als wackerer Bürger nicht ausschließen.

Steuern hingegen gilt als ein häßliches Wort. Steuerschraube. Man sieht den Schraubstock, und eingequetscht ist der arme Zahler, den man kräftig ausquetscht. Deshalb versuchen Politiker das Wort Steuer zu vermeiden, wo es eben nur geht.

Vieles, was als Abgabe oder Zuschlag wortschöpfend in die Alltagssprache Einlass fand, ist eigentlich eine Steuer. So sehe ich die Arbeitslosenversicherung nicht als Versicherung, deren Prämie das Risiko deckt. Diese Versicherung ist eine Abgabe oder Steuer.

Ebenso wird bei der Rentenversicherung nichts versichert, schon gar nicht die eigene Rente. Die Rentenversicherung regelt nichts anderes als eine Umlage zum Wohle der jetzigen Rentnergeneration.

Solidaritätsabgabe, Pflegeversicherung, Kranken­haus-Notopfer, x-Zuschlag, y-Umlage oder sonstiges Wortgeklingel – alles Tarnnamen für ein und dieselbe Sache. Steuer! Und nochmals Steuer!

Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen! Es geht nicht um Solidarität oder Versicherung, letzten Endes geht es nur eines. Um Ihr sauer verdientes Geld.