Kaffee beim Friseur

Ob ich einen Kaffee wolle, fragt die Friseurin. Nein, lautet meine Antwort, ich möchte mir die Haare schneiden lassen.

Huch, da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Menschen sind. Wenn ich einen Kaffee will, dann gehe ich ins Café. Und wenn ich Haare schneiden lassen möchte, dann zum Friseur.

Aber vielleicht war ich zu schroff. Denn es fiel mir wie Schuppen von den Haaren: Der Kaffee dient als Geste. Durch den Kaffee werde ich nicht nur als Kunde wahrgenommen, sondern als Mensch. Ich bin Individuum, als Gast akzeptiert, so wie man zuhause einem Besucher auch etwas anbietet.

So funktioniert unser Wettbewerb. Haare schneiden alleine reicht nicht mehr. Und im Unterbewussten weiß ich solch freundliche Gesten zu schätzen. In Buchhandlungen mit Espresso-Bar habe ich mich immer besonders wohl gefühlt. Sie haben den riesigen Büchertempeln stets etwas Heimeliges und Trautes verliehen.

Das kleine Restaurant inmitten des Erdgeschosses bei Ludwig Beck besitzt in all der Großstadt-Hektik etwas Kommunikatives, fast schon Familiäres. Ich halte nicht viel von Rabattmarken, Payback und all dem Gutscheingedöns. Diese Appelle an die niederen Instinkte des Schnäppchenjagens und Pfennigfuchsens wollen bei mir nicht so recht ziehen.

Aber was kann ein Händler oder ein Dienstleister – ob klein, mittel oder groß – sonst tun? Er kann den Kunden nicht nur als Kunden sehen, sondern fast wie einen guten Bekannten, der einen Rat möchte oder der einer Hilfe bedarf.

Das nächste Mal nehme ich den Kaffee, auch beim Friseur.

2 Gedanken zu „Kaffee beim Friseur

  1. Schneckerle DSL Clan

    Ich persönlich muss meistens so lange beim Friseur warten, dass ich sogar 2 Kaffees und die Angebotenen Leckereien schaffe, während ich die Fitnesszeitschrift lese…
    Im Prinzip steigt das Wohlfühlgefühl und somit die Kundenbindung, die in diesen Zeiten zwischen Ruin und Weiterbestehen entscheiden kann…

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