Häschen in der Grube

playboylogo.jpgDie Notiz, die da aus den USA zu uns kommt, überrascht nicht wirklich: Die Zeitschrift Playboy, einst viriler Patron des maskulinen Journalismus, soll – ob anhaltend tiefroter Zahlen – verkauft werden.

Einen hohen zweistelligen Millionen-Verlust verbucht der Verlag, die Garantieauflage ist erst kürzlich von 2,6 Millionen Exemplare auf 1,5 Millionen abgesenkt worden. In den wilden 70er Jahren gingen von dem Nackedei-Magazin noch mehr als 7 Millionen Hefte über – oder unter – die Ladentheke.

Nun scheint für den Gründer Hugh Hefner Schluss mit Schlappohren und das Magazin wird wohl in andere Hände wandern. Und vielleicht kommt ja auch Private Equity-Geld ins Spiel oder ein Hedge Fonds und eine Heuschrecke frißt das arme Häschen.

Doch Mitleid kann man sich sparen. Denn es gibt kaum eine Zeitschrift, die so wenig mit der Zeit gewachsen ist, wie diese. Wer einmal einen Blick in die amerikanische Ausgabe wirft – mit rein professionellem Auge natürlich – , dem fährt der Schreck in die Glieder.

Weil das Häschen-Heft geistig und mental auf dem Stand der 50er Jahre verblieben ist. Der gleiche Humor, die gleichen Witze, die gleichen Geschichten. Diese Infantilität der Themen und auch der Optik muss als verlegerisches Armutszeugnis gewertet werden.

Man schlurft sich durch das schlaffe Heft und merkt eines rasch. Das Bunny-Magazin verstösst viel zu oft gegen das erste Gebot des guten Journalismus: Du sollst nicht langeweilen!

Dabei kann man sicherlich auch im Jahre 2009 eine intelligente Männerzeitschrift machen: Mit prickelnden Reportagen, mit klugen Interviews, mit Portraits interessanter Menschen, mit nützlichen Berufs- und Businessthemen. All dies beim US-Playboy: Fehlanzeige (übrigens, die deutsche Ausgabe kommt wesentlich besser daher).

Nur auf spärlich bekleidete Mädchen zu setzen – wo sich doch mittlerweile herumgesprochen hat, wie eine nackte Frau aussieht -, scheint verlegerisch höchst fahrlässig. Und wer immer die gleichen Dummwitze reißt, entlarvt sich dann selbst auch nur noch als Dummbeutel.

So hoppelt der alte Playboy seinem Schicksal entgegen. Und irgendwie macht die Nachricht dann doch ein wenig traurig. Häschen zu verkaufen – es leidet an Altersstarre und Ideenlosigkeit.