Der mächtige Verlierer: TV

tvusa.jpgVorweg ein Bekenntnis: Ich schaue kaum noch fern. Vielleicht ein Bundesliga-Spiel von Bayern München am Wochenende oder eine politische Diskussion am späten Abend. Aber sonst? Spielfilme? Keine Lust! Nachrichten? Lieber im Radio! Shows? Zu langweilig!

Da hat sich in der Mediennutzung – nicht nur bei mir – merklich etwas verschoben. Das Zeitbudget, das Online zufließt, hat sich dem Fernsehen entzogen. Es wird mehr Zeit vor dem Internet-Schirm verbracht und weniger vor dem TV-Schirm.

Hier vollzieht sich ein dramatischer Wandel. Jahrzehntelang marschierte die Glotze von Sieg zu Sieg und walzte andere Mediengattungen platt. TV entwickelte sich zum Leitmedium der modernen Gesellschaft. Doch der Erfolg gerät nun ins Stocken.

Was ist passiert? Wie ist all das zu erklären? Vielleicht ist das TV auch Opfer des eigenen Erfolges geworden. Das Medium hat sich zuerst demokratisiert, dann segmentiert und dadurch nun auch atomisiert. Zu viele TV-Kanäle, zu viele Angebote, eine zu große Unübersichtlichkeit!

Vorbei die Zeiten, wo 30 Millionen Deutsche an den Bildschirmen einem Krimi entgegen fieberten. Vorbei die Zeiten, wo eine Show die ganze Familie vor das Pantoffelkino befahl. Vorbei auch die Zeiten, wo ein Fernsehfilm das Tagesgespräch in Büros und beim Bäcker war.

Heute hat ein jeder und alles seinen eigenen TV-Kanal. Bei SKY – ich habe es nicht genau gezählt – kann man schätzungsweise so 150 bis 200 verschiedene Kanäle empfangen. Allein das deutschen Free-TV belegt bei mir vollständig die Fernbedienung, von Nummer 1 (ARD) bis Nummer 32 (QVC).

Im Hotel bekommt man 77 TV-Kanäle zur Auswahl. Von CNN über FOX bis Bloomberg. Da lässt man die Kiste lieber gleich kalt.

Irgendwie erscheint der Niedergang der Television auch als Kapitulation des Kunden vor der Übermacht. Der verwirrte Seher streckt das Schwert und hisst die weiße Fahne. Der Gegner kommt so übermächtig und so omnipräsent daher, dass wir ihn einfach nicht mehr mögen und uns die Lust am Glotzen vergeht.

3 Gedanken zu „Der mächtige Verlierer: TV

  1. Peer Weber

    Nicht nur die Unübersichtlichkeit ist zu viel, die Inhalte sind zu schlecht

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