Archiv für den Monat: November 2009

Steuer im Tarnanzug

Das niedersächsische Finanzgericht hält den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost, so ein Urteil dieser Woche, für verfassungswidrig. Wie schade! Denn die Solidaritätsabgabe, liebevoll auch Soli genannt, habe ich unter sprachlichen Aspekten in den letzten 18 Jahren tief ins Herz geschlossen.

Denn Soli hört sich recht putzig an, und auch bei einer Solidaritätsabgabe mag man Weiterlesen

Kaffee beim Friseur

Ob ich einen Kaffee wolle, fragt die Friseurin. Nein, lautet meine Antwort, ich möchte mir die Haare schneiden lassen.

Huch, da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Menschen sind. Wenn ich einen Kaffee will, dann gehe ich ins Café. Und wenn ich Haare schneiden lassen möchte, dann zum Friseur.

Aber vielleicht war ich zu schroff. Denn es fiel mir wie Schuppen von den Haaren: Der Kaffee Weiterlesen

Metropole der Sozialscheine

sozialscheine-in-berlin.jpg

Immer wenn ich durch die Beusselstrasse fahre, fällt mir dieses merkwürdige Geschäft auf. Ninety-Nine’r. Haushaltsgeräte. Second Hand. Mit den alten Spül- und Waschmaschinen vor dem Laden. Nun ja, wenig verständliches Englisch für eine Zielgruppe, die es nicht eben dicke hat.

Aber etwas anderes macht mich stutzig. Es ist dieser seltsame Hinweis auf dem rotgelben Firmenschild. Annahme von Sozialscheinen. Sozialscheine. Was um Himmels Willen ist denn ein Sozialschein?

Stets schwankt mein Eindruck von Berlin. Wohlfeile Neubauten, eine spürbar wachsende Weltläufigkeit, hübsche Restaurants, besonders in Berlin-Mitte, dem ehemaligen Ost-Berlin. Im Westteil der Stadt hingegen Weiterlesen

Häschen in der Grube

playboylogo.jpgDie Notiz, die da aus den USA zu uns kommt, überrascht nicht wirklich: Die Zeitschrift Playboy, einst viriler Patron des maskulinen Journalismus, soll – ob anhaltend tiefroter Zahlen – verkauft werden.

Einen hohen zweistelligen Millionen-Verlust verbucht der Verlag, die Garantieauflage ist erst kürzlich von 2,6 Millionen Exemplare auf 1,5 Millionen abgesenkt worden. In den wilden 70er Jahren gingen von dem Nackedei-Magazin noch mehr als 7 Millionen Hefte über – oder unter – die Ladentheke.

Nun scheint für den Gründer Hugh Hefner Schluss mit Schlappohren und das Magazin wird wohl in andere Hände wandern. Und vielleicht kommt ja auch Private Equity-Geld ins Spiel oder ein Hedge Fonds und eine Heuschrecke frißt das arme Häschen.

Doch Mitleid kann man sich sparen. Denn es gibt kaum eine Zeitschrift, die so wenig Weiterlesen

Indien mal zwei

“Lassen Sie in Indien produzieren?” Der Kollege überrascht mich mit seiner Frage. Nein, stottere ich, warum sollte ich. Und er schildert mir Modelle, wie deutsche Fachverlage heute indische Dienstleister einsetzen. Ein Beispiel, wie weit die Globalisierung fortgeschritten ist.

So lässt dieser Verlag im westindischen Bangalore seine Software inklusive Inhalte entwickeln. Selbst lange deutsch­spra­chige Texte werden nicht in München, sondern in diesem indischen Silicon Valley erfasst. Auf den ersten Blick verwunderlich, dürfte man diese Dienstleistung in München, wenn schon nicht preiswerter, so doch von der Qualität akkurater tätigen können.

Weit gefehlt! Um die sprachliche Korrektheit der Texte zu sichern, sind die indischen Software-Tüftler auf einen Weiterlesen

Peter, der Grösste

Peter F. Drucker 100 Geburtstagpeter-der große Denker des Managements.pngIm Jahr 1959 prägte ein amerikanischer Autor den Begriff des knowledge workers. Wissensarbeiter. Das war neu. Peter F. Drucker wies in seinen Büchern und Vorträgen immer wieder darauf hin, wie stark Wissen, das Know-how, zum zentralen Erfolgsfaktor im industriellen Wettbewerb werden würde.

“Die Quelle unseres Wohlstandes ist Wissen.” Wissen, Kenntnis und Bildung – dies sei der Rohstoff der Neuzeit. Das menschliche Wissen sei die wichtigste Ressource in Wirtschaft und Gesellschaft. Heute ist uns das sehr bewusst, Mitte des letzten Jahrhunderts haben das wenige so klar gesehen.

Das Wissen entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Dies gilt sowohl für die Mikroökonomie als auch in der Makroökonomie. Es gilt für Nationalökonomien, für Betriebe, für Familie und auch für den einzelnen Menschen.

Heute haben wir dies in all seiner Bedeutung erkannt. Die Know-how-Besitzer sind nicht nur die wichtigste Ressource eines Unternehmens, sondern auch aktive Träger der Wertschöpfungskette. Bei allseits freiem Zugang zu den Rohstoffen wird Wissen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Peter F. Drucker war der Weiterlesen

Merkel: so tief ist die Krise

Angela Merkel Deutschland Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin mit Hubert Burda Verleger Wolfgang Fürstner VDZ Politik merkel-vdz-2009.jpgDer VDZ-Präsident Hubert Burda hatte die Teilnehmer der Jahrestagung bereits auf Veränderung eingestimmt.

Man befinde sich, so der Bunte- und Focus-Verleger, in einer Schwellenzeit.

Die Zeiten seien nicht einfach für Medienunternehmer, weil es die Balance von Altem und Neuem zu finden gelte. Und dazu komme dann noch die Konjunkturkrise.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm das Stichwort auf. Deutschland befinde sich in einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise. Das Wachstum sei um 5 Prozent eingebrochen, das habe es vorher nie gegeben. In früheren Rezessionen habe man lediglich minus 0,9 Prozent zu verzeichnen gehabt.

Die Wirtschaftskrise sei tief und lang, und man müsse nun alles tun, um aus ihr schnell heraus zu kommen. “Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit nicht wieder bessern, dann wird das ein ganz schwieriger Gang für uns alle”.

Das Rezept der Bundesregierung: Weiterlesen