Ein kalifornisches Telefon soll die Verlage retten

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Wenn man die sechs Stunden von der amerikanischen Ostküste zu Amerikas Westküste fliegt, so reist man – so scheint es – von einem Land ins andere, von einer Welt in eine ganz andere.

Während New York das Selbstmitleid, die Larmoyanz und das Nebelstochern kultiviert, herrscht in San Francisco ein intellektueller Pioniergeist, eine Aufbruchstimmung, dieses typisch hemdsärmelige Let’s do it!, das die USA so sympathisch macht.

Fällt das doch aufs Alte und auf Europa zugeneigte New York bisweilen in unreflektierte Hektik, so zeigt sich an der Westküste eine offene, der Zukunft zugewandte Kultur und auch dieser alte, sonnige Erfindergeist wird wieder wach.

An der Westküste sitzen die coolen Firmen wie Apple, Google, Oracle, im Zentrum die Stanford University, jene intellektuelle High-Tech-Schmiede des Silicon Valley und hier sitzen die Risikokapitalgeber, die so manches Start-up zu einem Millionengeschäft befördert haben.

Der pazifische Westen der USA denkt amerikanisch und handelt asiatisch. Produkte, die von der Westküste kommen, werden rasant entwickelt, mit Verve vermarktet und mit höchsten Ansprüchen an Design und Anwenderfreundlichkeit ausgestattet. Das Silicon Valley hat heute zwei, drei Jahre Vorsprung vor New York und vor Europa sowieso.

Die Westküste mit ihrer offenen Mentalität zieht gewitzte Menschen mit neuen Ideen an wie ein Magnet, Asiaten, Europäer und Amerikaner, hier ist der Erfolg frisch und jung – und oft weiblich – hier zählt nicht der Name, die Herkunft, die Hautfarbe, sondern der Spirit, die Leidenschaft.

Die jungen Leute arbeiten bis zum Umfallen, aber sie fallen nicht um. Bei Facebook in Palo Alto frage ich eine Mitarbeiterin, wie lange ihr Arbeitstag dauert. So 12 bis 14 Stunden, kriege ich zur Antwort. Ich weiß, fügt sie lächelnd an, dies sei zu lang, aber es sei die beste Zeit ihres Lebens.

Manche verzweifelten Verlagsmanager sagen uns, dies sei die letzte Hoffnung für viele Verlage: Apps für das iPhone. Nun soll ein Telefon die Verlagsbranche retten. Apple. Kommt auch aus Kalifornien, aus Cupertino. Südlich von San Francisco.

E-Commerce wird zum Riesenthema. Ernest Cicogna, einer der Gründer von GLAM – dem Shopping-Angebot für die schönere Hälfte der Menschheit – stellt sein Konzept einer vertikalen Platform vor. So etwas strategisch Smartes hat man anderswo noch nicht gesehen. Und Evan Hansen, der Chefredakteur von WIRED.com zeigt auf, wie der neue Journalismus heute organisiert wird.

Ein Verkaufs-Portal wie ShopStyle.com verzeichnet 3,7 Millionen Unique Visitors pro Monat, und hier werden zwischen Content, Commerce und Community alle Register gezogen, die man heute ziehen muss.

Die Verleger im VDZ besuchen eine innovative Firma nach der anderen. Es werden Türen geöffnet, die sonst verschlossen bleiben. Und zum guten Schluss haben sich die deutschen Verleger dann von der heiteren Stimmung in Kalifornien anstecken lassen. Waren in New York die Krawatten noch stramm gezogen, so wurde in San Francisco die Jeans ausgepackt und der Schlips in den Koffer geschmissen.