East Coast – die große Depri

wet-floor.jpgDie Medienkrise hat in New York brutaler zugeschlagen als in Europa. Ich habe die sonst so stolze Medienwelt an der Ostküste noch nie so verzagt und so deprimiert erlebt wie in diesen Tagen.

Doch die Krise ist nicht vom Himmel gefallen. Man fasst sich an den Kopf, wie hochbezahlte Manager so töricht ihr Geschäft verrichten durften.

BusinessWeek mit 900.000 verkauften Heften schreibt rote Zahlen. Den Konkurrenten Forbes und Fortune geht es auch nicht eben besser.

Das 68 Jahre alte Hochglanz-Magazin Gourmet von Condé Nast wird von heute auf morgen eingestellt – bei 980.000 Abonnenten. Wie – Herrschaftszeiten – kann es kommen, dass solche Zeitschriften kein profitables Geschäft darstellen?

Viele amerikanische Verlage verschenkten ihre Monatsmagazine für 10 Dollar im Jahr und lebten jahrelang von satten Anzeigenerlösen. Bei Condé Nast, das von der Krise besonders arg gebeutelt wurde, werden nur 3 Prozent Vertriebserlöse verbucht.

Bei Newsweek plumpsten die Umsätze um 35 bis 40 Prozent. Wir befinden uns in einer ganz schrecklichen Krise wird gejammert, und es regiert eine Heulsusigkeit als wären wir in Deutschland.

Der Journalismus hat innerhalb weniger Monate einen harschen Bedeutungsverlust erlitten. Früher – ante crisis – zählte man in dem Land 1,6 Millionen Journalisten, heute sind nur noch 400.000 übrig geblieben.

Einen Chefredakteur, den wir arglos fragen, wie er den Erfolg seiner Zeitschrift messe, antwortete: Erfolg ist, wenn ich in einem Jahr noch auf diesem Stuhl sitze.

Ist Paid Content die Lösung, wie Rupert Murdoch meint? Nur auf dem Papier sagen die Praktiker hinter vorgehaltener Hand. Nicht mehr als eine neue Hoffnung, nochmals zu scheitern.

Der Vorsprung vor Europa ist in New York dahin, hier wird genauso so schön gejammert wie in Deutschland. How many magazines will close this month?, fragen sich die Medienmanager beim Aufstehen.

Post crisis werde es nicht besser. So ist die Stimmung. Betriebswirte nennen es Strukturwandel und Marktbereinigung. Die Umsätze der Printverlage sind nicht weg, sie sind nur woanders.

Man werde in den nächsten Monaten eine langsame Stabilisierung erleben und die Medien eine paperless recovery. Zuversicht klingt anders! Es herrscht eine tiefe Resignation an der Ostküste Amerikas, schlimmer noch, eine tiefe Ratlosigkeit.

An der Westküste, in Kalifornien, so sagt man uns, soll es besser werden. On vera.