Die Fehler der anderen

Manchmal scheint es klüger, sich bequem zurückzulehnen, eine Tasse Tee zu trinken und einfach nur abzuwarten. Die volkswirt­schaftliche Literatur bezeichnet dieses Phänomen populär als die Strategie des schlauen Zweiten.

Wenn Sie sich als Konsument beispielsweise einen E-Book-Reader der ersten Generation kaufen, dann schleppen Sie einen teuren, leistungsarmen und unausgegorenen Apparat durch die Landschaft. Kaufen Sie aber die zweite Generation, dann sind die Kinderkrankheiten größtenteils behoben.

Heute kommt es nicht mehr darauf an der (zeitlich) Erste zu sein, sondern der (qualitativ) Erste. Nicht die älteren Rechte entscheiden, sondern das bessere Pro­dukt und überzeugendes Marketing. Oder meinen Sie, Marlboro war die erste Zigarettenmarke in der Geschichte der Tabakindustrie gewesen?

Wir leben ja bekanntlich nicht mehr im vorindustriellen Zeitalter, wo der Erste im Markt sofort via Patent auf Jahre hinaus frei vom Wettbewerb der Konkurrenz davoneilte. Diese Zeiten sind schon lange passé.

Eine Exklusivität in Sachen Know-how oder Technologie gibt es nicht mehr. Denn das ist ja ein Wesenszug der neuen Techniken: Alles steht in kurzer Zeit überall, immer preiswerter und für jedermann frei zugänglich zur Verfügung.

Es ist schon so: Ab und an ist es klüger, wenn andere sich die Finger verbrennen. Bekannt­lich lernt man am besten aus Fehlern. Am liebsten, möchte ich hinzufügen, aus den Fehlern an­derer.