Der kleine Mann

Im letzten Wahlkampf war viel von dem kleinen Mann die Rede. Ja, manchmal gewann man den Eindruck, insbesondere wenn man linken Politikern zuhörte, Deutschland bestünde überwiegend aus dem kleinen Mann. Gar eine ganze Partei hat sich auf ihn ausgerichtet, denn die SPD ist die Partei des kleinen Mannes.

Dieser kleine Mann ist ein Phänomen. Sprachlich, auf jeden Fall. Denn es gibt nur einen davon, es existiert kein Plural. Die kleinen Männer, das hört sich ziemlich albern an.

Auch lebt der kleine Mann als Single. Er hat keine Partnerin, denn eine kleine Frau gibt es nicht. Und Kinder besitzt der kleine Mann auch nicht. Denn es gibt keine kleinen Kinder. Weil Kinder eh schon klein sind.

Der kleine Mann sagt man erst seit Sozialdemokraten regieren. Vorher hieß der kleine Mann entweder Arbeiter oder Proletarier. Oder Unterdrückter oder Ausgebeuteter.

Solch hässliche Wörter gelten in der heutigen Zeit natürlich nicht mehr als politisch korrekt. Wenn Sozialdemokraten etwas zu sagen haben, dann wird aus dem Unterdrückten eben ein kleiner Mann.

Übrigens, der Gegenspieler vom kleinen Mann heißt nicht der große Mann. Weit gefehlt. Gegenpart sind die breiten Schultern. Der kleine Mann versus die breiten Schultern, das nennt man modernen Klassenkampf, sprachlich zumindest.

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