Steuern – rauf oder runter?

Nun sitzen Schwarz und Gelb im Berliner Kanzleramt und feilschen, ob die Steuern nun gesenkt oder nicht doch erhöht werden sollen. Welch eine Frage!

So mancher Zeitgenosse – und insbesondere ökonomisch nicht gebildete Politiker – glaubt, mit der Steuer funktioniere es so ähnlich wie mit der Verdauung: Je mehr ich oben reinstopfe, desto mehr komme unten auch raus. Je höher ich die Steuersätze schraube, desto mehr Steuer­auf­kommen erhalte ich. Klingt irgendwie logisch, ist aber volkswirtschaftlich barer Unsinn.

Die Steuer – als eine Art Preis für die Teilnahme am Gemeinwesen Deutschland – unterliegt zum Teil auch der Gesetzmäßigkeit der Preisbildung. Und wenn ich die Preise beispielsweise für den Besuch eines Kinos laufend erhöhe, dann werden früher oder später keine Besucher mehr in mein Filmtheater gehen, sondern sich die Spielfilme als DVD oder im Internet ansehen. Irgendwann überdreht sich die Steuerschraube.

Ich kenne jemanden, der einen guten Bruttoverdienst von 4.000 Euro hat und dem netto 1.900 Euro übrig bleiben. Nach Abzug von 970 Euro Miete, Nebenkosten, Versicherungen und Fahrgeld lebt der Mann von 930 Euro im Monat. Das ist kärgliches Niveau für einen gut­ verdienenden Angestellten. Da kann etwas nicht stimmen!

Die arbeitsame Mittelschicht wird von der Steuerlast am meisten gebeutelt. Der Kampf gegen die subjektiv und objektiv zu hohe Steuer wird zum Nationalsport. Ob das Tanken in Österreich, das Rauchen unverzollter Kippen oder die Schwarzarbeit des Handwerkers – alles Steuerhinterziehung streng genommen.

All die kleinen und großen Steuertricksereien führen zu einem zweiten Markt, einer Art Schattenwirtschaft wie wir sie eher aus Ländern der Dritten Welt kennen. Die Bürger verweigern sich ihrem Staat, wenn die Steuer zu hoch ist. Deshalb gilt es in diesen Tagen für Union und FDP, die mittleren Einkommen zu entlasten.