Archiv für den Monat: Oktober 2009

El Tölpel

schneefall-cover.jpgAuszug aus Wolfgang Stock Schneefall in den Tropen:

Eigentlich hätte ich stutzig werden müssen. Nein, so plump kann die Wirklichkeit nicht daher kommen. Aber beim Menschen und ganz gewiss bei der männlichen Ausprägung des homo erectus lassen sich bisweilen jene Aussetzer beobachten, die man dann später im Rückblick beschönigend als Dummheit oder ausgemachte Tölpelei zu charakterisieren pflegt.

Aber der Reihe nach: Da stehe ich mit meinem leichten silbernen Rimowakoffer inmitten der Passagierschlange aus wohl 15 Personen, die alle am Faucett-Schalter für die Abendmaschine nach Lima einzuchecken gedenken. Und dann kommt plötzlich diese strahlende Schönheit in die Flughafenlobby stolziert, eine blutjunge Frau mit weichen Gesichtszügen, eine zierliche Venus im enganliegenden Kleid, das die wohlgeformten Rundungen noch betont.

Einen vielleicht zweijährigen Jungen trägt sie etwas bemüht auf dem linken Arm. Noch bevor ich mir die Frage beantworten kann, was denn ein solch bezauberndes Geschöpf in einem solch faden Andenkaff wohl zu suchen hat, steuert sie schnurstracks auf eine Person aus der langen Warteschlange zu. Diese Person bin ich.

Mit strahlenden Augen und dem betörendsten Lächeln, das ich seit Weiterlesen

15 Erkenntnisse zum Medienumbruch

Vorige Woche unterwegs in den USA mit einer Gruppe deutscher Zeitschriftenverleger, organisiert vom Verlegerverband VDZ. Ganze 19 Verlage, Unternehmen und Institutionen in New York und San Francisco besucht, mit vielen Entrepreneurs, Managern und Journalisten gesprochen. Was ist die Quintessenz dieser Tour?

Fünfzehn knackige Trends als Zustandsbeschreibung. Ich werte nicht, ich sage nicht, ob ich dies gut finde oder schlecht, ich sage nur, dass es so ist. Hier in aller Kürze die Erkenntnisse einer Woche unbezahlbarer Erfahrung und Inspiration.

1. Die besten und wichtigen Internet-Erfolge Weiterlesen

Ein kalifornisches Telefon soll die Verlage retten

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Wenn man die sechs Stunden von der amerikanischen Ostküste zu Amerikas Westküste fliegt, so reist man – so scheint es – von einem Land ins andere, von einer Welt in eine ganz andere.

Während New York das Selbstmitleid, die Larmoyanz und das Nebelstochern kultiviert, herrscht in San Francisco ein intellektueller Pioniergeist, eine Aufbruchstimmung, dieses typisch hemdsärmelige Let’s do it!, das die USA so sympathisch macht.

Fällt das doch aufs Alte und auf Europa zugeneigte New York bisweilen in unreflektierte Hektik, so zeigt sich an der Westküste eine offene, der Zukunft zugewandte Kultur und auch dieser alte, sonnige Erfindergeist wird wieder wach.

An der Westküste sitzen die coolen Firmen wie Weiterlesen

Google – bestes Firma von Welt

google-oct-2009.jpgHätte man mich früher, so vor 15 oder 20 Jahren gefragt, welches das beste Unternehmen der Welt sei, dann hätte ich kurz überlegt und ein paar Namen nennen können: Nestlé, Daimler-Benz, Coca Cola, General Electric, IBM.

Fragt man mich heute, dann fällt mir nur ein Name ein: Google. Und nochmals Google. Einen besseren Laden als die Firma aus Kalifornien gibt es nicht. Nirgends. Nicht zwischen Alaska und Argentinien, nicht zwischen Tokio und London.

Bei Google in Mountain View wie bei Tante Käthchen mal kurz zum Nachmittagskaffee vorbeizuschauen, das geht so einfach nicht. Doch den angereisten Verlegern Weiterlesen

East Coast – die große Depri

wet-floor.jpgDie Medienkrise hat in New York brutaler zugeschlagen als in Europa. Ich habe die sonst so stolze Medienwelt an der Ostküste noch nie so verzagt und so deprimiert erlebt wie in diesen Tagen.

Doch die Krise ist nicht vom Himmel gefallen. Man fasst sich an den Kopf, wie hochbezahlte Manager so töricht ihr Geschäft verrichten durften.

BusinessWeek mit 900.000 verkauften Heften schreibt rote Zahlen. Den Konkurrenten Forbes und Fortune geht es auch nicht eben besser.

Das 68 Jahre alte Hochglanz-Magazin Gourmet von Condé Nast wird von heute auf morgen eingestellt – bei 980.000 Abonnenten. Wie – Herrschaftszeiten – kann es kommen, dass solche Zeitschriften kein profitables Geschäft darstellen?

Viele amerikanische Verlage verschenkten ihre Monatsmagazine für 10 Dollar im Jahr und lebten jahrelang von satten Anzeigenerlösen. Bei Condé Nast, das von der Krise besonders arg gebeutelt wurde, werden nur 3 Prozent Vertriebserlöse verbucht.

Bei Newsweek plumpsten die Umsätze um 35 bis 40 Prozent. Wir befinden uns in einer ganz schrecklichen Krise wird gejammert, und es regiert eine Heulsusigkeit als wären wir in Deutschland.

Der Journalismus hat innerhalb weniger Monate einen harschen Bedeutungsverlust erlitten. Früher Weiterlesen

NYT LAB

newyorktimes2009.jpgIn dem luftigen und hellen Glasgebäude  620 Eighth Avenue residiert eine der besten Tageszeitungen der Welt.

In den unteren Etagen der ehrwürdigen New York Times, dort wo über drei Etagen die Newsdesks der 1.200 Redakteure stehen, herrscht miese Stimmung. Die Geschäfte laufen nicht wirklich gut und gerade hat der Verlag angekündigt, über 100 Schreiber vor die Tür zu setzten.

Im obersten Stockwerk, in der 28. Etage, hingegen sprüht die Kreativität. Fast in Wohnzimmer-Atmosphäre hat hier die New York Times Research & Development Group ihre Büros. Die R&D-Verlagsabteilung, populär auch New York Times LAB genannt, kümmert sich um Wichtiges – nämlich um Weiterlesen

Ogilvy

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Bei Ogilvy in New York in der 11. Avenue am Hudson River, einer der größten und wohl auch besten Werbeagenturen der Welt. In Parterre, direkt neben den Fahrstühlen lacht einen der Firmengründer an. Der Besucher muss neben dem fast lebensgroßen David Ogilvy auf den Aufzug warten.

David Ogilvy lehnt nonchalant im Türrahmen, im sympathischen Country-Look, farbenprächtig, wohl in den späten 80er Jahren auf seinem Schloss in Frankreich aufgenommen.

Der von mir verehrte Patriarch der modernen Werbung blickt so lebensfroh und quietschfidel drein, als wolle er jeden Augenblick aus dem Bilderrahmen steigen.

Und was gibt es Neues bei den Ogilvys unserer Tage? Weiterlesen

Ein Reise in die USA

usanewyork.jpgWer zum ersten Mal den Boden der Vereinigten Staaten von Amerika betritt, der wird schnell mit der ruppigen Wirklichkeit konfrontiert.

Die Einreise in die USA gestaltet sich bisweilen, nun ja, etwas zäh. Man könnte auch sagen,  dass man an der Grenze zunächst wie ein gewissenloser Schwerverbrecher oder wie ein potentieller Sozialschmarotzer gesehen wird.

Besonders wenn man am John F. Kennedy-Airport den ersten Schritt in New York macht, zeigen sich Zollinspektion und Einreisebehörde als überaus rigide.

Doch man muss wissen warum. Die Vereinigten Staaten kennen kein Meldewesen, es gibt keine Personalausweise und einen Pass braucht nur der, der ins Ausland will.

Kurz, wer einmal drin ist in den United States of America, der ist drin. Im Innern wird nicht mehr arg kontrolliert.

Aus diesem Grund verlagert sich der Kontrolldruck auf die Landesgrenzen. Zwischen Mexiko und Kalifornien steht eine hohe hässliche Mauer, auf JFK ein resoluter Einreisebeamter.

Vor Jahren empfing mich ein solcher Grenzer schon von weitem mit dem Gruß Weiterlesen