DDR: Fo bei Brecht

ddr3.jpgOst-Berlin, den 18. Juni 1982

Theater am Schiffbauerdamm in Ost-Berlin. Das Berliner Ensemble. Das Haus von Bertolt Brecht.

Lange vor der Wende. Noch zu Zeiten der DDR, die sich damals für das bessere Deutschland hielt. Der Hauch der Literaturgeschichte weht durch den klassizistischen Bau und erzeugt Gänsehaut.

Doch heute Abend wird nicht Bert Brechts episches Theater gegeben, sondern Dario Fo: Bezahlt wird nicht! Für 2,05 Ost-Markt. Das Theater kommt adrett renoviert daher und strahlt im Glanze.

Dario Fo, das ist eine italienischer Theater-Anarchist, kein Mann für zarte Zwischentöne, sondern für’s Grobe. Eigentlich keine große Bühne, vielmehr Straßentheater und Agitationsklamauk, eine Art sozialistische Commedia dell’arte. Meist ist es albern, manchmal lustig und überraschenderweise gab es dafür 1997 den Literatur-Nobelpreis.

Bezahlt wird nicht! handelt von der Auseinandersetzung im Italien in den 70er Jahre, von Plünderungen der Supermärkte, von der Frage, welche Bedeutung Eigentum zukommt, was eigentlich sozialistische Moral ist.

Bei diesem Gastspiel am Schiffbauerdamm war bemerkenswert, dass man leicht bemerken konnte, wo im Parkett Deutsche-Ost und wo Deutsche-West saßen. Denn die Ostdeutschen lachten an Stellen, wo Westdeutsche ruhig blieben. Und umgekehrt.

Machten Dario Fo und Franca Rame ihre Späße über Staat, Behörden und Institutionen, dann war das Lachen aus Ostkehlen besonders laut. Wurde über das Thema Mann-Frau, Emanzipation oder Erziehung gewitzelt, blieben die Ostdeutschen weitestgehend stumm und die Westdeutschen lachten aus vollem Herzen.

Die Mauer stand auch in den Köpfen. Den Ost-Genossen war gelungen, Deutschland auch humormäßig zu trennen. Auch das hatte die DDR geschafft. Hier, an diesem Theater, in Bert Brechts ehrfurchteinflössendem Haus, wurde mir vom Augen geführt, was Gehirnwäsche aus ganz normalen Menschen machen konnte.

So ist das, wenn Affen den Zoo regieren, würde Dario Fo anmerken, wenn es für ihn denn ein Thema wäre.