Chinas Mega-Megatrend

chinas-megatrends.jpgJohn Naisbitt hat zusammen mit seiner Frau Doris ein bemerkenswertes Buch geschrieben. Chinas Megatrends – Die 8 Säulen einer neuen Gesellschaft. Nach seinem Bestseller Megatrends aus 1982 über die Entwicklung der USA beschäftigen sich die Naisbitts heute mit dem atemberaubenden Aufstieg Chinas.

Und rücken aus Inside-Sicht mit so manchem Vorurteil auf. Wusste man, dass China mit 10.000 Magazinen der größte Zeitschriftenmarkt der Welt ist (Deutschland 3.500)? Wusste man, dass in China zehn Mal soviel Buch-Novitäten erscheinen wie in Deutschland?

Übel stoßen den Naisbitts auch die Belehrungen der Industrieländer auf, die zudecken, dass es die Chinesen aus Armut und Elend zu bescheidenem Wohlstand geschafft haben. China begann seine Modernsierung auf einem Niveau, auf dem sich der Westen vor mehr als 100 Jahren befand. Dennoch beurteilt der Westen Chinas wirtschaftlichen und politischen Fortschritt anhand seiner eigenen, gegenwärtigen Standards und Werte.

Waren es bei den USA 10 Megatrends (die sich übrigens im Rückblick alle als zutreffend herausstellten), so sind es bei China, asiatisch angelehnt, 8 Megatrends. Am besten gefallen mir der erste und der letzte Megatrend. Voraussetzung für den Aufstieg war die Emanzipation des Denkens, denn die Leistungen der Modernisierung waren nur möglich mit gebildeten, selbstständigen Menschen, die sich vom alten kollektivistischen Denken loslösen.

Megatrend 8 beschreibt die wirtschaftliche Entwicklung Chinas von der Imitation zur Innovation. Nach den Erfolgen im Sport werden nun Wirtschafts- und Wissenschaftserfolge angestrebt. China sei dabei, sich zu einem Wissens- und Innovationszentrum der Welt zu mausern. Vielleicht sei der Tag nicht fern, da ein Land alle wichtigen Konsumgüter für den Weltmarkt anbieten könne – in guter Qualität und zu unschlagbarem Preis. Dieses Land sei China.

Wie ein roter Faden ziehen sich zwei Themen durch alle 8 Megatrends: Bildung und Wettbewerb. Doch gerade beim Thema Bildung gehen die Naisbitts mit China hart ins Gericht. Da sei zuviel Drill-Pädagogik, Lehren sei zu hierarchisch, zu autoritär, mit zuwenig Freiraum.

Über den 8 Megatrends thront, wenn man so will, ein Mega-Megatrend. China, so die These der Naisbitts, häute sich nicht vom Kommunismus zum Kapitalismus, sondern sei dabei, eine völlig neue politische und gesellschaftliche Formation zu entwickeln. China hat seine eigenen Ziele und Träume.

Für diese neue Gesellschaftsform biete sich noch keine Begrifflichkeit an, die Naisbitts verwenden den Terminus der vertikalen Demokratie. Ob ein solcher Autoritarismus gepaart mit einer Entwicklung zu Wohlstand tatsächlich am Ende der Transformation Chinas steht, wird die Zukunft erweisen.

Und ob ein solcher Wirtschafts-dynamischer Autoritarismus als Vorbild für Afrika und Lateinamerika taugt, wie die Naisbitts andeuten, ist eine spannende Frage. On vera, es darf diskutiert werden.

siehe auch: John Naisbitt: It’s China, stupid!

2 Gedanken zu „Chinas Mega-Megatrend

  1. v.Arco

    Man darf nicht vergessen, die Chinesen waren immer eine Hochkultur (Konfuzius) und nun kriegen sie wieder den Rang, der ihnen gebührt
    Diethelm v. Arco

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