lebendige Sprache

Die Sprachpuristen und Kulturpessimisten klagen allerorten ihr Leid: Die deutsche Sprache verkomme, sie falle unter die Räuber, das Deutsch werde verunstaltet, unsere Sprache werde von vielen Seite mürbe gemacht.

Hässliche Anglizismen mogeln sich in unser Deutsch, dieser respektlose Jugendspeak obendrein, dazu simple Comic-Sprache, die SMS-Codes und weiß er Teufel noch was. All dies verhunze unsere saubere deutsche Sprache.

Vom Standpunkt eines Schiller/Goethe-Deutsch mag das bisweilen so aussehen. Aber wer redet schon so, wie Thomas Mann geschrieben hat?

Die deutsche Sprache differenziert sich, und das gilt mir als Zeichen für Kraft und Lebendigkeit. Denn eine Sprache entfaltet und verändert sich im Alltagsgebrauch.

Dazu kommt die sprachliche Globalisierung. Durch sie öffnet sich die deutsche Sprache anderen Sprachen. Welche Anglizismen sich durchsetzen, das entscheidet allein der sprachliche Wettbewerb und nicht der Verein Deutsche Sprache e.V..

Und diese Teilnahme am sprachlichen Wettbewerb ist auch ein Ausweis der Stärke und der Virilität unserer deutschen Sprache. Ebenso wie die sprachliche Nähe zu den jungen Menschen, zum Alltag mit seinen Neuerungen und seiner Fortentwicklung. Das Deutsch lebt, wenn es Anglizismen, Szene-Sprachen, regionale Färbungen oder Fachsprachen integriert.

In Bezug auf die Alltagssprache verhält es sich insofern genau umgekehrt wie uns die kauzigen Gralshüter des Reinen, Wahren und Schönen weismachen wollen. Anglizismen, ausländische Versatzstücke, Jugendsprache, Umgangssprache sind geradezu ein Ausweis von Vitalität und Lebendigkeit einer Sprache.

Lassen wir uns deshalb nicht kirre machen: Die deutsche Sprache kränkelt nicht, die deutsche Sprache ist putzmunter. Bei ihren Kritikern bin ich mir da nicht so sicher.