B. Traven legt falsche Fährten

B. Traven nutze im Laufe seines Lebens nicht weniger als 27 verschiedene Namen, seinen richtigen ab nie. Und er legte falsche Fährten und raffinierte Finten, um seine wahre Identität zu verschleiern.

Der Autor von 13 Romanen schirmt sich in Mexiko vor der Neugier der Journalisten ab, er ist scheuer und misstrauischer alter Mann. Die Biografie eines kreativen Menschen ist ganz und gar unwichtig. Meine persönliche Geschichte ist allein meine Angelegenheit und ich will sie für mich behalten.

Er sei der uneheliche Sohn des deutschen Industriellen Emil Rathenau, lässt er streuen. Sein Bruder sei der Außenminister Walther Rathenau in der Weimarer Republik, bindet er seinem Freund, dem mexikanischen Kameramann und Regisseur Gabriel Figueroa – einen veritablen Bären auf.

Und einem jeden erzählt Traven eine andere Räuberpistole. Aber nicht nur Traven selbst, sondern auch Literaturforscher und Reporter strickten an den unzähligen Legenden.

Er sei ein unehelicher Sohn des letzten deutschen Kaisers, dann ist er wieder nur ein norwegischer Seemann oder gar ein slowenischer Schafhirte, andere wollen in ihm den in Mexiko verschollenen nordamerikanischen Schriftsteller Ambrose Bierce wiedererkennen, nein, nein, man vermute, er sei kein Geringerer als der mexikanische Präsident Adolfo López Mateos, der unter einem Pseudonym schreibe.

Alles Unsinn, hier stehe der amerikanische Abenteuerromancier Jack London leibhaftig wieder auf, der seinen Selbstmord nur vorgetäuscht habe. Holzweg, er sei der Mecklenburger Matrose August Bibeljé, für andere ist er ein arbeitsloser amerikanischer Tramp, wenig später ein Ingenieur, andere wollen herausgefunden haben, hinter B. Traven stecke ein fünfköpfiges Schreiberkollektiv, das in Honduras sitze – und so weiter und so fort, eine unendliche Geschichte…

Traven will als Persönlichkeit unentdeckt bleiben. Die Spuren und falschen Fährten vervielfachen sich, je mehr Nebelkerzen Traven und sein treuer Züricher Literaturagent Josef Wieder zünden.

Da sich B. Traven nach wie vor zurückgezogen in seinem Haus in Mexiko-Stadt verkriecht und rar macht, gewinnen die Flunkereien um den mysteriösen Schriftsteller an Eigenleben. Dutzende Bücher werden geschrieben, welche die Jagd nach der wahren Identität dieses B. Travens schildern. Aber all diese mehr oder weniger in die Irre führenden Mutmaßungen bewirken nur, dass das Mysterium um den kleinen, argwöhnischen Mann von Jahr zu Jahr wächst.