Profanierung

Der Urlaub ist mir heilig, meinte neulich jemand. Und ich wundere mich erneut, wie in Deutschland die Urlaubsreise in biblische Sphären gehoben wird.

Ein Deutscher fliegt in sein Urlaubsparadies. Auch hier finden wir die Säkularisierung religiöser Mythen, erlebt die Bibel die Profanierung des Heilgen in den Alltag. Es ist fast so, als möchte der suchende Agnostiker in die Welt schreien: Hier bin ich – endlich – Mensch.

Urlaub ist Alltagsdistanz, das zweite Leben, die Vision eines besseren Daseins, eigentlich schon Glaubensersatz. Der Urlaub wird damit Gegenbild zu Althergebrachtem, zur Beengtheit, zur mentalen Unsicherheit, vielleicht auch zur Verlorenheit.

Und wahrscheinlich setzt ein solches Paradies und eine solche Heiligkeit das Ersatzbild von Glaube und Gemeinschaft in die Welt.