Presse-Versorgungswerk

Wenn man es mit der Unabhängigkeit des Journalismus ernst nimmt, dann setzt dies in vielen Fällen auch materielle Unabhängigkeit voraus. Ich habe in Lateinamerika und sonstwo einfach zu viele Artikel der Firma Lob & Hudl gelesen, zu viele gekaufte Journalisten und zu viele korrumpierte Zeitungen gesehen.

Der Journalismus sollte raus aus der Hungerlohn-Ecke, aus dem kargen Künstlerdasein, er sollte sich zu einem mündigen Berufsbild mit Qualität und Souveränität wandeln. Das mag die Vision von Dietrich Oppenberg gewesen sein, die ihn antrieb, das Versorgungswerk der Presse ein halbes Jahrhundert zu seiner Lebensaufgabe zu machen.

Die Presseversorgung, die in Deutschland die private Altersvorsorge für Medienleute bündelt, war für den überzeugten Sozialdemokraten eine Institution, in der sich Verleger und Gewerkschaften in Interessensharmonie treffen würden.

Denn Journalisten und Verleger lag daran, Produkte von hoher Qualität anzubieten. Und dies setzt auf beiden Seiten eine gewisse Berechenbarkeit und Auskömmlichkeit voraus. Das ist ein Thema, das beide Tarifparteien eint. Übrigens, ebenso wie die Weiterbildung.

Ansätze einer berufsständischen Versorgung von Journalisten gibt es schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die 1949 gegründete Presseversorgung hat sich mit den Jahren zu einem Giganten im Versicherungsmarkt entwickelt. Ihre Kapitalanlagen belaufen sich auf 4,5 Milliarden Euro, die Versicherten profitieren von niedrigen Verwaltungskosten und hohen Erträgen.

Dietrich Oppenberg, dieser bisweilen starrköpfige Verleger der Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung, war zeitlebens ein glühender Verfechter der Mündigkeit von Medientätigen. Gut 50 Jahre hat er in Führungsposition die Presseversorgung gegen allerlei Einvernahme – politischer, wirtschaftlicher oder tariflicher Natur – abgesichert. Ein großes Verdienst.

siehe auch: Fotokiste Dietrich Oppenberg