Kyrill – im Flugzeug

lhkyrrill-blog.jpgEs ist ein Donnerstag. Planmäßig hebt Lufthansa 849 um 17,35 Uhr vom Düsseldorfer Flughafen ab. Als die Räder des Airbuses die Startbahn verlassen, wird der Flieger durch den Orkan kräftig nach links zur Seite gedrückt.

Den ganzen Tag über schon hatte Kyrill sein Unwesen über Deutschland getrieben. Und am Ende dieses Tages wird man in Europa 47 Todesopfer durch Orkan, Sturm und Böen zu verzeichnen haben.

Nach den Tagesterminen bin ich kurz vor 17 Uhr in Düsseldorf am Flughafen und könnte die Maschine nach München nehmen. Doch über dem Rheinland wütet der Orkan.

Ich mag nun nach Hause und deshalb checke ich ein. Die Maschine ist gerade nur mal halb voll, während sonst gegen Feierabend auf dieser Rennstrecke auch der letzte Platz ausgebucht ist.

Kaum ist der Airbus 320 in der Luft, da wird die Maschine durchgeruckelt und durchgeschüttelt wie die Eiskugel im Martini-Glas. Keine einzige Minute des einstündigen Fluges wird ruhig sein, denn der Sturm peitscht unaufhörlich gegen die Außenwand.

Kyrill hat an diesem späten Nachmittag des 18. Januar 2007 den Westen Deutschlands voll im Griff, die Böen erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Kilometern in der Stunde. Unten werden Strassen gesperrt, Schulen geschlossen und der Strom abgestellt.

Und hier oben wird man durchgeschüttelt als sei der Airbus ein Papierflieger im Herbstwind. Mal zieht’s einen nach links, dann plötzlich nach rechts, später sackt das Flugzeug ab, dann bekommt es mit einem Ruck wieder Auftrieb.

Jeder an Bord hat seine Beruhigungstechnik, von Ignorieren, Bejammern oder Rumblödeln bis hin zu Beten. Ich atme tief durch, versuche nicht zu verkrampfen. Bisweilen hört man von hinten einzelne spitze Schreie.

Nach einer Stunde bringt der Kapitän die Maschine sicher auf der Piste im Erdinger Moos zur Landung. Erleichterung. Es wird geklatscht. Ein Gutes hatte dieser Flug: Leichte Turbulenzen werden einen zukünftig nicht mehr groß jucken – Kyrill sei Dank.