Fotokiste: Platz des Himmlichen Friedens

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Peking, 12. Oktober 2000

Wenn man auf dem Platz des Himmlichen Friedens promeniert, dann vermag man einiges über China erspüren. Dieses Land ist groß und gewaltig wie auch dieser Platz, der wohl größte der Welt in einer Metropole. Erst bei mehr als einer Million Menschen ist dieser Platz voll gefüllt.

Dies scheint aber kein Ort für’s Wohlgefühl. Denn eigentlich erdrückt dieser Platz durch seine Imposanz. Diese riesige Fläche, im Norden das Tor des Himmlichen Friedens, dann die Grosse Halle des Volkes und in der Mitte das langgestreckte rötliche Mausoleum mit dem mumifizierten Vorsitzenden Mao. Stalinistische Architektur und kommunistischer Devotionalienkult, ein Ort, merkwürdig, widersprüchlich und wohl auch mental obskur.

Der Besucher, der Augen und Ohren aufsperrt, den überkommt auf Pekings Tiananmen-Platz die Gänsehaut. An jedem Fleckchen Milizionäre, Agenten und camouflierte Polizisten. Gefühlte 50 Prozent der Besucher haben Stöpsel im Ohr, ein ausgebeultes Jacket, diesen strengen Blick, hastende Augen. Unauffällige Rudelbildung, die Staatsmacht als Mob. Man fühlt sich - und so wird es wohl auch sein - auf Schritt und Tritt beschattet wie ein billiger Taschendieb.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 sind auf diesem Platz hunderte Studenten massakriert worden. Sie haben friedfertig protestiert. Für mehr Freiheit, für mehr Demokratie, gegen dieses kommunistische Alleinvertretungsdogma.

Michail Gorbatschow hatte gerade seinen Besuch in China beendet und mit seiner Person und seinem Besuch waren so viele Hoffnungen verknüpft worden. Das Land möge sich der Freiheit öffnen, möge eine unzensierte Presse zulassen, Reformen anpacken.

Doch die kommunistische Führung ließ die Panzer rollen. In dieser Juni-Nacht vor 20 Jahren war der Tiananmen Platz in Blut getaucht. Das Militar schoß ohne Rücksicht und Skrupel. Das Rote Kreuz schätzte 2.600 Tote, bis heute kennt keiner die genaue Zahl.

Das zarte Pflänzchen der Demokratie verblich auf diesem Platz und in dieser Nacht. Und über allem ruht der gütige Blick des großen Vorsitzenden Mao Tse Dongs. Auch das ist China.

siehe auch Fotokiste: The Great Hall of the People

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