Leo Brawand, unser Mann im Schrank

leo-brawand.jpgDer Mediendienst kontakter kommt mit einer traurigen Nachricht:

Manager Magazin-Macher Leo Brawand ist tot

Leo Brawand, langjähriger Chefredakteur des „Manager Magazins“, ist tot. Der 84-Jährige zählte zu den Weggefährten des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, der ihn auch zum komissarischen „Spiegel“-Chefredakteur ernannte, als Augstein wegen des Verdachts auf Landesverrats 1962 in Haft genommen wurde. Chefredakteur des frisch gegründeten „Spiegel“-Schwesterblatts „Manager Magazin“ wurde er 1971; diesen Titel leitete er dann zehn Jahre lang. Nach seinem Ausstieg schrieb Brawand Bücher, darunter den Bestseller „Manager sind auch nur Menschen“.

Ja, Manager sind auch nur Menschen, ein köstliches Buch. Diesen Titel haben Leo Brawand und ich 1993 zusammen ausbaldowert. Dies ist ein Buch mit Anekdoten aus der Welt des Managements, mal lustig, mal hintersinnig, auf jeder Seite mit hohem Unterhaltungswert. Als ehemaliger Wirtschafts-Ressortleiter des SPIEGEL und Chefredakteur des manager magazins kannte er das ganze Affentheater in der Bel Etage der Führungskräfte.

Das Lektorat dieses Buches war für den Lektor  ein Genuß. Die spitzen Illustrationen von Wolf Erlbruch, auf den mich die American Express-Werbung brachte, ergänzen das Buch kongenial.

Leo Brawand war einer der besten seines Faches: Er kannte keine Berührungsangst, er war unerschrocken und ließ sich nicht einschüchtern. Er hegte keinen falschen Respekt, war zugleich aber auch kein Zyniker, wie sie in der SPIEGEL-Welt so häufig anzutreffen sind.

Als der Staatsschutz im Oktober 1962 die Redaktionsräume des SPIEGEL aufsuchte, versteckte sich Leo Brawand flugs in seinem Garderobenschrank und entkam so der Verhaftung. Der inhaftierte Augstein machte Brawand auf einem Zettel aus der Gefängniszelle dann zum kommissarischen Spiegel-Chefredakteur.

Wir saßen im Garten seines hübschen alten Bungalows in Hamburg-Rahlstedt, und es war eine Freude ihm zuzuhören. Der Mann mit dem buschigen Schnauzer und dem streng zurückgekämmten Haar nahm sein Publikum mit seinem verschmitzten, pfiffigen Humor schnell ein. Ein Hang zu Ironie und Selbstironie zeichnete ihn aus.

Er hatte viel gesehen und erlebt und konnte auch packend erzählen. Er war eloquent, aber kein Aufschneider. Mit seinem Hannoveraner Mutterwitz würzte er seine Geschichten und vermochte auch selber darüber zu lachen.

In seinem Temprament würde man sagen, Leo Brawand war ein ziemliches Schlitzohr. Etwas respektvoller darf man festhalten, hier ist ein ganz großer Journalist aus dieser Welt abberufen worden.

3 Gedanken zu „Leo Brawand, unser Mann im Schrank

  1. Kristina Gapinski

    Wenn Ihr mich sucht,
    werdet Ihr mich finden,
    wenn ich einen Platz in Euren habe,
    werde ich immer bei Euch sein.

  2. Kristina Gapinski

    Wenn Ihr mich sucht,
    werdet Ihr mich finden,
    wenn ich einen Platz in Euren Herzen habe,
    werde ich immer bei Euch sein.

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