Wirtschaftskrise: Die Rückkehr des Patriarchen

In der Krise rufen alle nach dem Staat. Selbst der ärgste Neoliberale. Die von Insolvenz bedrohten Firmen eh. Der Staat möge es richten, die Kanzlerin helfen oder der Investor aus dem Morgenland Geld zuschießen.

Angela Merkel darf Opel nicht sterben lassen, so liest man in diesen Tagen auf den Schildern der Opelanern. Was mir eigentlich als merkwürdige Sicht der Dinge vorkommt, denn der Markt – und nicht ein Politiker – entscheidet über Wohl und Wehe einer Firma.

Doch beinhaltet dieser Ruf nach dem Retter zugleich den Ruf nach dem Pater, dem Vater, der uns aus der Not befreien möge. Dieses Verlangen nach dem Vater ist zugleich auch ein Abschied vom anonymen Firmeneigentümer vergangener Tage. Die Zeit der drahtigen Hedge Fonds-Besitzer und Private Equity-Manager läuft ab.

Vaterfiguren strahlem größere Glaubwürdikeit und mehr Souveränität aus. Die Firma bekommt ein Gesicht. Die gesichtslosen Aktiengesellschaften heißen im französischen Sprachgebrauch entlarvenderweise société anonyme. Anonyme Gesellschaft.

Genau hier liegt der Vorteil von Familiengesellschaften. Der Patron – er kann alt oder auch jung sein – steht mit seinem Namen für die Firma ein. Ein Patron ist nicht anonym. Er wird als Vater des Ganzen gesehen. Es ist dies das antike Bild des Patrons, des gütigen und strafenden Vaters. Er wird als Vater anerkannt, als Autoritätsperson, im Guten wie im Schlechten. Hier wird vor allem der treusorgende Vater gewünscht, der seine Kinder – gerade in turbulenten Zeiten – nicht im Stich lässt.

Die Sehnsucht unserer oft vaterlosen Gesellschaft nach dem Patriarchen wächst. Die Menschen wollen sich unter seine fürsorgliche Obhut stellen. Mir erscheint dies als eine Gegenbewegung zur Emanzipation im ursprünglichen Wortsinn, wo der Begriff ja ex manus de pater meint. Die Tochter bewegt sich von der Hand des Vaters weg. Wir bewegen uns in Krisenzeiten wieder hin zur Hand des Vaters.