Der Tod des Auslandskorrespondenten

Mitte der 80er Jahre erhielt ich vom stern das Angebot, ein Auslandsbüro in Madrid aufzubauen und es dann später zu übernehmen. Aus Etatgründen wurde dann aus dem Vorhaben der Hamburger Wochenillustrierten nichts, und in der Rückschau war dies wohl auch ganz gut so.

Denn kein journalistischer Akteur steht heute auf so verlorenem Posten wie der Auslandskorrespondent, kein Genre hat so viel an Ansehen und Einfluß verloren wie die Auslandsberichterstattung. Die Wirtschaftskrise dieser Tage hat diesen Niedergang verschärft. Doch die Probleme konnte man schon seit geraumer Zeit beobachten.

In den Zeiten des Internets, von Google Earth, der Weblogs und von Twitter bedarf es oft nur eines Mausclicks, um an Informationen aus entfernten Regionen zu gelangen. Schnell, unkompliziert und kostengünstig kann man schauen, was in Melbourne, in der Südsahara oder auf Timbuktu los ist. Und auch der geneigte Auslandskorrespondent recherchiert per Google. Ob er dies nun von Frankfurt oder Kairo aus macht, ist dem Computer doch ziemlich wurscht.

Dazu kommen die ökonomischen Zwänge. Eine Auslandskorrespondenz kostet – und zwar heftig. Büro, Sekretärin, Wohnungsmiete, Familie, Schule für die Kinder, mehrere Heimflüge im Jahr, Kommunikationskosten – da kommt ein schönes Sümmchen zusammen. Solches können sich heute immer weniger Verlagshäuser leisten.

All dies erklärt einiges, doch ausschlaggebend für das langsame Dahinscheiden der Auslandskorrespondenz ist jedoch etwas anderes: Waren die meisten Landstriche auf diesem Globus in den 60er und 70er Jahren noch terra incognita, so wurde mittlerweile in jeden Winkel des Erdballs hinein geleuchtet: alles bereist, alles gesehen, alles bekannt.

Die große Generation der Auslandskorrrespondenten, jene Grandseigneurs, die uns mit dem Fremden vertraut machten, ist eh schon seit langem abgetreten. Hans Walter Berg in Indien, Carl Weiss in London, Gerd Ruge in Peking, Peter von Zahn in den USA. Tempi passati. Dem Auslandskorrespondent mag vielleicht nicht die Arbeit ausgegangen sein, wohl aber seine raison d’etre.