Mein ältester Drucker

drucker57.jpg1957. Das ist nun schon 52 Jahre her. In jenem Jahr wurde Peter F. Druckers Buch Die nächsten zwanzig Jahre in Deutschland bei ECON verlegt.

Das Cover, in den 50er Jahren sprach man noch von Einband, stilistisch gestaltet von Werner Rebhuhn, nun ja, auf der Höhe der Zeit.

Treten wir die Zeitreise an zurück in die 50er Jahre. Kalter Krieg, Armut, Aufbaujahre. Es gab noch keine breite Mittelschicht, was ein Computer war, wußte man noch nicht und selbst Fernsehen war für viele ein Wunderding.

In der Bundesrepublik Deutschland hieß der Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Name des amerikanischen Präsidenten lautete Dwight D. Eisenhower.

Die nächsten zwanzig Jahre. Eine gute Gelegenheit, Peter Drucker nach über 50 Jahren retrospektiv zu beurteilen. Seine Visionskraft, seine Schärfe im Urteil. Vielleicht auch seine Fehlsicht.

Automation und ihre Auswirkungen sind das große Thema in diesen Buch. Von den USA, später von Japan, beginnt der Siegeszug der Massenproduktion, verbunden mit einem stetigen Aufschwung. Die Inflation wird zum Thema. Durch Überhitzung der Wirtschaft und zunehmenden Kapitalbedarf steigen die Preise der Güter wieder. Diese Entwicklung hat Drucker schon damals genau gesehen und analysiert.

Der Altersaufbau in den USA verändert sich. Die Gesellschaft altert. Die Altersvorsorge wird zum Thema. Drucker befasst sich mit den Pensionskassen in den Staaten. Er sieht sie als Investmentbanken des kleinen Mannes und zugleich als Kapitalgeber der amerikanischen Wirtschaft.

Drucker beschreibt die deutlichen Defizite im amerikanischen Gesundheitswesen, ein Thema, das ihn bis zu seinem Ableben nicht mehr loslassen wird. Ein bezahlbarer Gesundheitsdienst für jeden lautet seine Forderung. Bei Obama klingt das heute nicht viel anders.

Auch ein ökologisches Thema bewegt Drucker. Die Wasserknappheit. Wasser werde zu einer limitierten Ressource. Kalifornien und der Süden können noch heute dieses Klagelied singen.

Es ist schon erstaunlich, wie zeitgemäß und aktuell noch heute – nach über einem halben Jahrhundert – viele von Peter Druckers Themen sind. Sicher, die Perspektive ändert sich, der Fortschritt lässt manches anders erscheinen, die Wertigkeit mag sich hier oder dort verschieben.

Trotzdem kann man Peter F. Drucker auch nach 50 Jahren noch lesen – mit Gewinn und intellektuellem Genuß. Mein ältester Drucker kommt eigentlich als ziemlich junger Kerl daher!

siehe auch: Fotokiste Professor Peter F. Drucker
siehe auch: Fotokiste Peter Drucker
siehe auch: Management by Objectives
siehe auch: Bible and Drucker
siehe auch: Peter, der Grösste