Fotokiste: Tamás Kürthy
In diesen Tagen hat ein Buch die Bestsellerliste erobert, über das ich stolpere. Schwerelos. Nun, über den Titel stolpere ich nicht gerade. Für dieses Buch lebe ich im falschen Geschlecht, denn es ist ein Werk, das sich an die bessere Hälfte dieser Welt richtet. Aber die Autorin lässt mich aufhorschen. Ildikó von Kürthy.
Kürthy. Da war doch mal was. Ildikós Vater Tamás Kürthy lehrte als Professor an der RWTH Aachen. Er war einer der drei Prüfer meines Rigorosums. Tamás Kürthy, der Pädagogikprofessor in Aachen, galt als ein seriöser, ernsthafter Mann, hinter dessen gestrenger Fassade jedoch eine tiefe Menschlichkeit zu Tage trat.
Professor Kürthy, der einem alten Adelsgeschlecht aus Ungarn entstammte, war blind. Er kam jeden Tag mit seinem Schäferhund ins Kármán-Auditorium, in diesen neuen, nach dem deutschen Raumfahrtpionier Theodor von Kármán benannten Vorlesungskomplex an der Eilfschornsteinstrasse.
Dort hielt Professor Kürthy aus dem Stehgreif seine Vorlesung und der Hund lag während seines Seminars treu und friedlich an der Seite des Pults. Wegen seiner Blindheit besaß er ein gutes Gespür für die Aufmerksamkeit der Gruppe, die konzentriert seinen Ausführungen lauschte. Man lernte eine Menge bei ihm.
Ich kannte Professor Kürthy nicht besonders gut, bewahre aber eine sympathische Erinnerung an ihn. Ein fairer und menschlicher Hochschullehrer.
Wenn man als Student in dem hübschen, bunten Haus der von Kürthys in Laurensberg weilte, dann stürmte ab und zu ein kleines, wildes Mädchen durch das Wohnzimmer. Ildikó. Die spätere Bestsellerautorin. Womit sich der Kreis wieder schließt.