Buchklub-Idee: mausetot

Die FAZ berichtet dieser Tage von Bertelsmann-Plänen, das Buchklub-Geschäft als eigenständige Sparte aufzugeben und in den Buchbereich Random House und die Service-Tochter Arvato zu integrieren.

Der Jahresumsatz der Bertelsmann Direct Group (vulgo Buchklubs und Verwandtes) sei bereinigt auf  1,4 Milliarden Euro herunter geplumpst. 2007 habe er noch, so schätzt die FAZ, knapp 2,6 Milliarden Euro betragen. Läutet dieses Planspiel der Bertelsmann-Oberen das Ende der Buchklubs ein?

Die Buchklub-Idee ist im Laufe der Jahrzehnte aus der Zeit gefallen, sie will einfach nicht mehr in unsere Internet-Epoche passen. Der Buchklub hatte in Deutschland seine großen Tage in den 50er und 60er Jahren, als das mediale Angebot noch dürftig und die nächste Großstadt noch fern waren.

Nichts ist so schlimm, wie eine Idee deren Zeit abgelaufen ist. Und weil der Buchklub ein Produkt von vorgestern ist, wäre eine solche lautlose Beerdigung auf Raten wohl das Beste - für Bertelsmann als auch für den Kunden.

Denn mit seiner Abnahmeverpflichtung läuft die Klub-Idee dem subjektiven Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit zu wider. Zumal es hier eine Art Abonnement für ein Produkt abzuschließen gilt, das an sich gar keine abonnementserforderliche Ware darstellt. Vorschriften, bei wem, wie oft und über welche Summe ein Kaufakt zu vollziehen sei, mögen nicht so recht ins Jahr 2009 passen.

Und als strategischer Malus: Ein Buchklub für Millionen kann logischerweise nur ein Programm für Millionen verlegen, also ein Programm für alle und keinen. In diesem Umstand liegt der eigentliche Knackpunkt für die Fragilität der Klub-Idee: Während sich die moderne Gesellschaft mehr und mehr seg­mentiert, während mehr und mehr Spezialinformationen verlangt werden und die All­gemeinthemen vom Buch in das Fernsehen wandern, kann ein Buchklub mit Mainstream nur schwer dagegenhalten.

Ein Wald- und Wiesen-Programm interessiert halt nur Otto Normal­verbraucher - und der verabschiedet sich zunehmend vom Buch.

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