Ausblick auf 2009: kleine Träume

berger2009.jpgIn der Post dieser Tage herzliche Grüsse zum neuen Jahr von Roland Berger, dem einflußreichen und sympathischen Nestor der deutschen Unternehmensberatung. Wie gewohnt verschickt Roland Berger statt einer Grußkarte eine von einem herausragenden Publizisten verfasste mehrseitige Broschüre. Mit dessen Ausblick auf das neue Jahr.

In diesem Jahr lesen wir mit viel Vergnügen und noch mehr Gewinn einen Aufsatz von Josef Joffe, dem wahrscheinlich hellsten Kopf der Publizistik Deutschlands. Und Joffe, Herausgeber der ZEIT und Professor an der Stanford University, seziert die politische Lage des Landes und der Welt rasiermesserscharf.

Viel hänge davon ab, ob die Wirtschaftskrise lang und tief oder kurz und flach verlaufe. Aber alles in allem hätten sich die politischen Entscheidungsträger richtig verhalten.

Joffe bleibt Optimist: Nie sei der Kapialismus nach dem großen Crash von 1929 von einer Rezession in eine Depression gefallen. Die Krise verstärke jedoch die Sozialdemokratisierung der westlichen Welt. Doch setzt die Krise den linksdriftenden Politikern – auch dem Hoffnungsträger Barack Obama – enge Grenzen. Die großen Träume werden 2009 kleinlicher Buchhaltung weichen müssen.

Letztlich gebe es zum freien Markt jedoch keine vernünftige Alternative, zumal dessen Selbstheilungskräfte stark sind.  So mies Märkte auch bisweilen arbeiten, funktionieren sie immer noch besser als Regierungen. Kapitalismus lernt aus Krisen, Gosplan-Sozialismus hat das nie getan. Der Sozialismus habe seine Krise angehäuft und sei dann unter ihnen zusammengebrochen.

Das Fazit von Josef Joffe klingt – wenn auch verhalten – zuversichtlich. Verzichten Sie am Silvester-Abend nicht auf den Champagner. Aber trinken Sie ihn mit Bedacht, und behalten Sie einen klaren Kopf.