Fotokiste: FC Barcelona - N° 862

Ich lebte ein halbes Jahr in Barcelona und nun galt es, für deutsche und österreichische Zeitung Artikel zu schreiben. Politik, Wirtschaft, Kultur - sicher, das war die Pflicht. Aber Fussball bildete die Kür.
So ging ich zur Casa Masia und ließ mich akkreditieren. Das war damals eine schnelle und unkomplizierte Angelegenheit, weil im Jahr 1978 sonst kein deutschsprachiger Korrespondent beim FC Barcelona zu finden war. Man gab mir die Akkreditierungsnummer 862.
Der kleine Student hatte sich sein großes Monopol geschaffen. Und viele Fussball-Nachrichten, die in jenen Tagen von Barcelona bis ins ferne Deutschland gelangten, waren auf meinen Mist gewachsen. Und der Ball ist bekanntlich rund, und das jeden Tag.
Der Trainer war ein glückloser Belgier namens Lucien Muller, die Manschaft allerdings zeigte sich hochkarätig besetzt. Mittelstürmer war der Wiener Hans Krankl, im Mittelfeld zog der Oranje-Blondschopf Johan Neeskens die Fäden und die Abwehr hielt der umsichtige Olmo zusammen.
Im Club war ich bald als der Deutsche bekannt. Damals war der Fussball noch nicht das Kommerz-Spektakel und man sah alles ziemlich locker. Ich durfte in die Katakomben des Stadions, in die Präsidentenloge, in den VIP-Raum. Auch konnte ich ungezwungen mit den Spielern sprechen. Für einen 23-jährigen Studenten nicht schlecht.
Ein paar Monate war ich ganz nahe dran. Da ich mich sprachlich mühte, begegnete man mir mit einer Mischung aus Respekt und Neugier. Mit dem Vize-Präsidenten Nicolas Casaus sprach ich lange in seinem imposanten Büro, der andere Vizepräsident Joan Casals herzte mich nach einem Sieg. Visca el Barca!
siehe auch: FC Katalonien
siehe auch: FCB vs FCB - das Spiel des Jahres
siehe auch: Der Präsident des FC Barcelona