Mein Magazin des Jahres 2008: Cigar Aficionado

cigaraficionado.jpgDer Titel ist genial. Cigar Aficionado. Da spürt man Leidenschaft, da sprudeln die Champagnertropfen. Ein Aficionado, das ist ein Liebhaber, ein Fan, eigentlich mehr, ein Fanatiker, eher ein Verrückter. Das spanische afición beschreibt das Gefühl der Zuneigung, der Verehrung. Afición ist Kult. Da zudem die besten Zigarren der Welt aus Cuba kommen, passt der Titel wie Deckel auf Topf.

Dies ist ein junges Magazin, erst 1992 von Marvin Shanken, gegründet. Es fällt auf durch sein großzügiges Design, durch seine edle Optik und durch die guten Texte. Ohne Zweifel geht es hauptsächlich um Zigarren, aber wenn die dicken Rauchschwaden verzogen sind, dann geht es auch um mehr.

CA, wie das Magazin von seinen Freunden kurz genannt wird, spielt die Rolle des kleinen gallischen Dorfes für Zigarrenliebhaber in den USA. Besonders dann, wenn Wochenend-Events wie der jährliche The Big Smoke  in Las Vegas stattfinden. Dann entpuppt sich die Zeitschrift als mehr als nur bedrucktes Papier. Dann wird sie zu einer Mischung aus Woodstock und Stiftung Zigarrentest.

The Good Life Magazine for Men lautet der Untertitel und eigentlich ist CA ein Lifestyle-Zeitschrift und Luxus-Magazin. Cigar Aficionado kann man aber auch als Kultur- und Reisemagazin lesen. Denn oft geht es nach Cuba oder Nicaragua. Oder man schreibt über gutes Essen, schöne Hotels und hippe Konzerte. Nebenbei bemerkt, bürgen solch Edel-Themen für exquisite Anzeigenkunden.

Als Kult gelten auch die Celebrities-Cover von CA. Von jedem Titel lacht den Leser ein prominenter Zigarrenraucher an, ansprechend in Szene gesetzt von Top-Fotografen. Groucho Marx, George Burns oder Jack Nicholson haben sich auf dem Cover zelebriert. Gerne durchbricht die Zeitschrift seine eigene Regel und zeigt eine rauchende Frau wie Sharon Stone oder Raquel Welch. Diese Personalisierung schafft Identität und Identifikation. Und so wird dann ein schwaches Thema plötzlich stark.

Die Botschaft scheint klar: Es geht hier nicht nur um’s Rauchen, es geht um Menschen. Um gute Portraits und gehaltvolle Interviews. Und dies alles zu einem eher sperrigen Thema. Es bleibt zu bewundern, wie elegant CA mit diesem Defensivthema Rauchen umgeht.

Das New Yorker Magazin wird im XL-Format gedruckt und von der smarten Web-Site cigaraficionado.com unterstützt. CA erscheint sechsmal im Jahr und verkauft eine Auflage von etwa 260.000 Exemplaren. Die Verkäufe waren schon mal höher, gingen an die halbe Million, sicher, es gab schon bessere Zeiten für Raucher.

Es ist für US-Verhältnisse ein eher kleines, aber feines Magazin. Eine Zeitschrift, die sich keck gegen Rauch-Restriktion, Mainstream und den Zeitgeist auflehnt. Übrigens auch politisch. Die Zigarren-Liebhaber des  CA sprechen sich deutlich gegen das Wirtschaftsembargo der USA gegenüber Cuba aus. Hasta la victoria siempre, fumadores!

siehe auch: Mein Magazin des Jahres 2007
siehe auch: Mein Magazin des Jahres 2009