Fotokiste: Orxateria Fillol

fillol.jpgAls ich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre in Barcelona studierte, war ich von der Stadt überwältigt: von der poltischen Aufbruchstimmung nach Francos Tod, von der Musik, von der Literatur, von Johan Neeskens im Nou Camp, vom mediterranen Leichtsinn und nicht zuletzt von der katalanischen Küche.

Meist ging ich in eine Bar an der Plaza Universitaria und aß dort zu Mittag. Mein Favorit war die Horchateria Fillol. Eine Horchateria ist eine Cafeteria, in der auch Horchata de chufa serviert wird, das ist das eine gekühlte Erdnußmandelmilch, die einen sehr erfrischenden und würzigen Geschmack besitzt, der Vanille vergleichbar.

Das Restautrant Fillol war aber nicht nur Horchateria, das im Katalanischen Orxateria geschrieben wird, sondern eine volkstümmliche Bar und ein beliebtes Restaurant. Man trank morgens seinen Cafe cortado, aß am vormittag auf die Schnelle einen Bocadillo und Mittags gab es ein Tagesgericht, den plato del dia, und am Abend gönnte man sich ein paar tapas.

Das Tagesmenue bestand meist als entrada aus einer Suppe oder aus einer ensaladilla rusa, dem russischen Salat, danach einem Fisch- oder Fleischgericht, lomo, cerdo, meist mit Kartoffeln und etwas Gemüse. Man speiste an kleinen Bistrotischen oder auch am Bartresen. Die Bedienung hinter dem langgezogenen, schwarzen Tresen war flott und nach ein paar Tagen wußte der ältere Herr, was so meine Geschmack war.

Das Beste kam zum Schluß. Als Nachtisch, dem postre, wurde meist Crema Catalana angeboten, die katalanische Variante der Crème brulée. Die Crema Catalana ist ein Vanillepudding, nur würziger, und mit einer gebrannter Karamellschicht als Oberfläche.

Als ich 2007 nochmals nach Barcelona kam und ins Fillol wollte, da war es nicht mehr da. Statt dessen fand ich in dem Gebäude eine der vielen austauschenbaren Trendbars mit fingerfood, mondänen Cocktails und allerlei modernistischem Geschwurbel.

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