Die wahren Schuldigen der Finanzkrise

Gestern hat Bayerns Finanzminister Erwin Huber die politische Verantwortung für das Desaster bei der BayernLB übernommen und auf den Eintritt in das Kabinett Seehofer verzichtet. Die ersten Bankmanager werden verklagt, Boni und Tantiemen müssen zurückgezahlt werden. Der öffentliche Unmut richtet sich seit Wochen gegen die maßlosen Banker und gegen die falsche Beratung vor Ort.

Sicherlich alles schön und gut, jedoch die Schuld für die Finanzkrise einzig auf die Banker abzuladen, scheint zu einfach. Denn wenn man richtig hinschaut, dann ist die Liste der Schuldigen lang.

Da sind zum einen – und klar an erster Stelle – die Gier-Banker. Insbesondere bei den Investment-Banken, die immer neue Phantasieprodukte im Sekundärmarkt der Banken untereinander erfanden, rein virtuelle Anlagen, ohne jede Deckung in der Realwirtschaft. Das waren keine Bankprodukte mehr, sondern Interbanken-Wetten, ob morgen die Sonne scheint oder nächste Woche der Zaunkönig trillert.

Jene Politiker tragen ebenfalls Verantwortung, die in den Verwaltungsräten und Kontrollgremien der Staatsbanken eifrig den Kauf dieser artifiziell strukturierter Wertpapiere und anderer Luftgebilde abgenickt haben, ohne das Geschäft wirklich zu verstehen.

Auch die Ratingagenturen besitzen starke Mitschuld. Anstatt die Kunstprodukte der Banken richtig unter die Lupe zu nehmen, haben sie viel zu lange diesen Häusern gute bis beste Bonität bescheinigt. Die Ratingagenturen haben beide Augen zugekniffen vor den Irrfahrten dieser Pleitebanker und ihre Aufsichtsfunktion sträflich vernachlässigt.

Die Analysten bei den Banken und Brokern bleiben im gleichen Atemzug zu nennen. Besoffen von Dollarzeichen und Top-Renditen haben sie ihre kritischen Hirnfunktionen gleich ganz ausgeschaltet und die Gierspirale noch befeuert.

Schuld sind auch die kleinen Bankberater vor Ort, die das Vertrauen der Kunden besaßen, ihren Kunden allerdings zweifelhafte Anlagen, Zertifikate, Filmfonds, argentinische Staatspapiere oder dubiose Schiffsbeteiligungen angedreht haben, die alle im Totalverlust enden könnten.

Aber auch die Anleger, die sich mit 4 oder 5 Prozent Rendite nicht zufrieden geben wollten und für ein paar Dollar mehr ihr Geld bei isländischen Banken oder fernen Rohstofffonds angelegt haben, sind nicht ohne Schuld. Auch sie sind auf obskure Finanzprodukte hereingefallen in der Hoffnung auf den dicken Zins. Sie haben alle wider das erste Prinzip eines klugen Anlegers gesündigt: Investiere nur in Anlagen, die du kennst und verstehst!

Schuldig sind nicht zuletzt die Journalisten, die mitgeschwommen sind, anstatt ihre kritische Stimme zu heben. Auch sie haben immer höhere Renditen geschlagzeilt oder merkwürdige Steuersparmodelle gepriesen, anstatt zu informieren und zu warnen. Auch die schreibende Zunft ist ihrer Aufklärungsfunktion nicht gerecht geworden.

Und die Moral von der Geschicht? Gier und Dummheit haben Banker nicht exklusiv gepachtet. Vielleicht steckt der kleine Gierteufel in uns allen, und mag sein, dass wir uns ein wenig ändern müssen.