Die Buch-Schwadroneure

Einst gehörte das Verfassen einer Biographie zu der Meisterdisziplin der Autorenschaft, verlangt es doch unabdingbar zweierlei: eine markante Persönlichkeit auf der einen, und ein faszinierendes Erleben auf der anderen Seite. Es galt das Psychogramm eines bewegten Lebens mit feinem Strich nachzuzeichnen.

Die biographische Literatur der letzten Jahre jedoch krankt am Symptom des Schaumschlägertums. Ich staune immer wieder, welche Männer und Frauen den Mumm besitzen, vor dem geneigten Publikum ihr Leben breitzutreten. Ob die Blonde aus der Glotze, der Fussballer, der seit Jahren keinen Ball mehr getreten hat oder das Starlett, das schneller verglüht als die Sonne am Abend. All diesen Wichtigtuern ist eines gemein: sie reden viel, haben aber nichts zu sagen.

Diese Flachland-Biographen sollten sich bewusst machen, dass Bücher zwei kostbare Güter aufbrauchen – Papier beim Produzenten und Zeit beim Leser. Wenn die biographische Erzählkunst zum Geschwätz verkommt, wenn irgendein Prahlhans den Mund zu voll nimmt, dann leidet nicht nur das Genre, nein, die gesamte Literatur kommt in Verruf.

Insofern ist den prominenten Maulhelden und Schwadroneuren noch der geringste Vorwurf zu machen, sie können halt nicht anders. Aber alle Lektoren und Programmchefs sollten sich an die eigene Nase fassen und fragen, ob sie mit dem Verlegen des Geschwafels dieser Selbstdarsteller der Branche mehr schaden als ihnen vielleicht bewusst ist.

Ich fordere ein Biographie-Verbot für Schaumschläger!