Das Glück und die Volkswirtschaft

Die Mikro- und Makroökonomie funktionieren nach quantitativen Kategorien. Wirtschaftswachstum, Prozentsteigerung, Pro-Kopf-Einkommen. Qualitative Messgrössen kennen die Wirtschaftswissenschaften nicht. Das führt an Grenzen. Und manchmal kommt man ins Grübeln.

Wirtschaftswachstum – genauer gesagt, quantitatives Wirtschaftswachstum – wird als erstrebenswertes Ziel betrachtet. Wenn nun beispielsweise ein Angestellter seinen Job aufgibt, um den kranken Vater zu pflegen, dann mindert dies das volkswirtschaftliche Wachstum zweifach. Die Produktivität des Angestellten fällt aus, ebenso wie die einer professionellen Pflegekraft. Trotzdem kann diese quantitative Minderung die Qualität des individuellen Lebens erhöhen.

So wie nicht-messbare Haus- und Erziehungsarbeit das Wachstum verringern, so wird selbiges Wachstum durch Kinderarbeit, Kriegstreiberei und Drogenhandel gefördert. Ein Stück aus dem Tollhaus!

Pursuit of Happiness – das Streben nach Glückseligkeit – wie es die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung ihren Bürgen als unveräusserliches Recht garantiert, wird von der Volkswirtschaftslehre nicht erfasst. Dabei ist das Glücksstreben sicherlich eines der vorrangigen individuellen Ziele einer Mittelschichtsgesellschaft.

In den letzten 50 Jahren hat sich das Pro-Kopf-Einkommen der Erdenbürger glatt verdoppelt. Sind wir aber doppelt so glücklich wie vor 50 Jahren?