Urlaub, ganz ohne

Etwas Grässliches ist geschehen, etwas ganz Ungeheuerliches! Gerade von einem Kurzurlaub an der prächtigen Adriaküste Venetiens zurück. Das heute touristisch geprägte ehemalige kleine Fischerdorf leuchtet als ein liebenswertes Fleckchen Erde: Sonne, breite Strände, der Duft von blühenden Pinien und frischem Olivenöl. Hier findet sich alles, was einen guten Urlaub ausmacht. Ein ganz normaler Urlaub, also?

Nein, ich gestehe frank und frei, in diesem Urlaub ist etwas Schändliches vorgefallen. Es war der erste Urlaub ohne, ja ohne – ich wage es kaum auszusprechen – es war der erste Urlaub ohne die Lektüre eines Buches. Ich, der sonst gut drei, vier Bücher pro Urlaubswoche verschlinge, nehme in zehn Tagen kein einziges Buch in die Hand.

Mag sein, dass es im Moment auch wenig interessante Bücher gibt. Für Feuchtgebiete bin ich zu alt, für den kleinen Bankhofer zu jung und für Bücher à la Baustelle Mann nicht blöd genug. Kein Buch da. Ohne jede Arglist meinerseits oder ohne jeden schlechten Vorsatz. Es hat sich nicht ergeben.

Andere Medien springen in die Lücke. Morgens – ähm – eine BILD. Ob die Sängerin Michelle Pleite ist und der Boris ‘ne Neue hat – das kann man mit sonnigem Urlaubsgemüt nett und heiter lesen, kratzt mich normalerweise aber so, wie wenn in China ein Fahrrad umfällt. Spiegel, Focus, WirtschaftsWoche. Der Medien sind genug. Zumal es das merkwürdige Phänomen zu beobachten gilt, dass heimatliche Zeitungen in der Ferne immer ein Stück genauer und länger gelesen werden.

Nachmittags per Satellit kurze Info auf N24 und abends Tagesschau. Internet-Cafe. In den lokalen Il Gazzettino soll auch ein Blick geworfen werden. Der BlackBerry klingelt munter und abends zu Tom Cruise ins Kino. Die mediale Rund-um-Versorgung ist perfekt, das Buch wird nicht vermisst.

Kurz und schlecht: Es war eine Premiere, der Urlaub ohne Buch. Ich stelle es fest und erschrecke.