Seniorenrepublik Deutschland?

Der Raufbold Schimanski Götz George ist gerade 70 geworden. Und der blöde Otto hat auch schon die 60 überschritten. Auch wenn in Deutschland jammernd über Alte als arm, krank und demenz geschrieben wird, so ist doch in der heutigen Zeit ein ganz neuer Altenbegriff festzumachen.

Früher waren die Alten wirklich alt. Die jetzigen Alten jedoch haben als erste Generation die Jugendkultur mit ins Alter genommen. Die jungen Alten kommen in Jeans und Polo daher, wählen grün, reisen der Sonne nach und fahren flotte Autos.

Früher galt das strikte Kästchendenken der Daseinsevolution: Ausbildung – Arbeit – Rente. Dieser Dreiklang hat heute zahlreiche Variationen erfahren: Bildung gilt als lebenslange Anforderung. Der Arbeitsalltag zeigt sich flexibel von Teilzeit und Sabbatical bis hin zu unstet. Die Rente ist heute kein fixes Auskommen mehr von Vater Staat, sondern ein Patchwork aus Staats-, Betriebs- und Riesterrente plus Hinzuverdienst.

Die demographischen Entwicklung lässt sich nicht umkehren. Die nicht geborenen Kinder von heute können morgen keine Eltern sein. Die Balance wird sich in den nächsten Jahren merklich verschieben. Weniger Junge, mehr Alte. Das kann man beklagen. Es ist aber auch eine Chance.

Denn die Kompentenz der Alten, deren Lebenserfahrung und Abgeklärtheit bleiben für die Gesellschaft wichtig. Früher wurden sie ab 55 aufs Abstellgleis per Frühverrentung geschoben, was einer Verschleuderung von Wissen und Fertigkeiten gleichkam. Doch nicht nur auf der Produzentenseite bleiben die Alten wichtig.

Die Senioren erzeugen heute auch eine gewaltige Nachfrage. Die Medien dürfen in der Altersgesellschaft zur Gewinnerbranche gerechnet werden. Ebenso die Bildung. Die Zeit ist da, das Geld auch und vor allem das Bewußtsein ist da. Da haben die Alten den Jungen einiges voraus.