moralische Ökonomie?

Jedesmal kriege ich Pickel, wenn ich einer Talkshow zum Thema à la Profit statt Arbeit - Wie gerecht ist Deutschland? zuschaue. Schlimm wird es besonders dann, wenn einer von der roten oder der orangen Partei dabei ist. Es dauert keine drei Minuten und Moralität und Ökonomie mixen sich sprachlich: dann ist von überzogener Rendite die Rede, da wird ein gerechter Lohn gefordert oder ein fairer Handel angemahnt.

Obwohl die Moralphilosophie eine Wurzel der Ökonomie war, ist Gerechtigkeit keine ökonomische Kategorie. Das mag man beklagen, ist zunächst aber einmal eine Tatsache. Gerechtigkeit kann man nicht messen, sie liegt im Auge des Betrachters. Abgesehen davon: Wer will denn festlegen, welche Rendite angemessen ist? Oder ab welchem Euro bei einem Managergehalt die Gier beginnen soll?

In diesem Sinne ist die Ökonomie den Naturwissenschaften näher als der Philosophie. Der Preis - und Gehalt ist der Preis für geleistete Arbeit - bleibt für einen Ökonomen die Schnittstelle von Angebot und Nachfrage. Eine Rendite wiederum dient zur Vorsorge und dazu, die Investition zu refinanzieren. Und nicht, um dem Gefühlsfrieden des Menschen zu dienen.

In Deutschland haben wir zu viele Nicht-Ökonomen, die über Ökonomie reden. Das ist ähnlich wie beim Fussball. Übrigens, der Sport kennt auch keine moralische Dimension. Ist das 3 zu 2 der Deutschen gegen die Türken beim EM-Halbfinale nun gerecht, oder nicht?

Aber wie beim Fussball, so in der Ökonomie. Wir können lange darüber reden. Aber am Ende des Tages bleibt ein Dreizwei ein Dreizwei.

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