Hotel Hemingway

gefunden in Caorle/Italien, im September 2005
Ernest Hemingway hat Spuren hinterlassen. Literarische Spuren sicherlich, er hat aber auch Spuren hinterlassen in den zahlreichen Städten und Orten, die er besucht hat. Museen sind für ihn eingerichtet worden, Stiftungen wurden gegründet, Zeitschriften mit seinem Namen werden verlegt, Kofferkollektionen und Füllfederhalter wurden nach ihm benannt, ein Hemingway-look-alike-Contest ist jedes Jahr in Florida ein Schenkelklopfer, Strassen tragen seinen Namen. Auch Schulen, Hotels, Angelwettbewerbe, Yachthäfen heißen so wie er, Bars und Kneipen sowieso.
Und Ernest Hemingway hielt sich mit Vorliebe dort auf, wo es etwas zu erleben gab: im Spanischen Bürgerkrieg, im Paris, als die deutschen Besatzer verjagt wurden, in den Steppen Afrikas, bei Castros cubanischer Revolution. Als Autor war er das schiere Gegenteil eines Schreibtischtäters. Du kannst eine Sache nicht richtig begreifen, wenn du sie nicht mit eigenen Augen gesehen hast, meinte er - und er musste die Welt mit eigenen Augen sehen.
Es gibt wohl keinen anderen Schriftsteller weltweit, der sich so ins öffentliche Bewußtsein hineingebohrt hat wie er. Einfache Leute, die sonst nie ein Buch in die Hand nehmen, haben seine Geschichten gelesen, weil sie sich darin wiederfinden. Es lässt sich wohl weit und breit kein Schriftsteller aufspüren, der sich so einprägsam in den Hirnen und Herzen der Menschen verewigt hat wie dieser bärtige Ernest Hemingway aus Oak Park, Illinois.
Oder Hand auf Herz: Ist ein Thomas Mann-Ähnlichkeits-Wettbewerb in Lübeck vorstellbar? Lächerlich. Ein Angelwettbewerb, den man nach Goethe nennt? Hirnverbrannt. Eine Kneipe, die sich „Günter Grass“ tauft? Ein schlechter Witz. Nein, nein, all dies ist unvorstellbar, selbst bei lebhaftester Phantasie nicht von dieser Welt. Doch bei Hemingway ist alles möglich: kurioses, rummeliges, seriöses, literarisches. Und alles wird getragen von der Zuneigung der Menschen zu diesem amerikanischen Schriftsteller, der wie kein zweiter für die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts steht.
siehe auch: Fotokiste Gregorio Fuentes
siehe auch: Fotokiste La Finca Vigía