Fotokiste: In der Leprakolonie (II)

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San Pablo/Peru, im Dezember 1985

Seit 5 Jahren sind die Doctora Carmen Orts und ihre Kollegin Pilar Bandrés in San Pablo. Ihr Missionsorden hat die beiden Spanierinnen in den tiefen Urwald geschickt. „Vor uns war lange Zeit kein Arzt hier“, klagt die 32-jährige Carmen, „kein peruanischer Arzt will den Job übernehmen.“ Wegen der miserablen Bezahlung. Und früher, da hätten die Ärzte ihre Patienten nicht einmal anzupacken gewagt.

Vielen Leprakranken werden Hände oder Füße amputiert, um den Vormarsch des Leprabazillus zu stoppen. Denn der Erreger dringt durch die Haut in die Nervenenden ein und tötet sie ab. Von Füßen und Händen aus wandert er hinauf zu Kopf und Gehirnnerven. Im Gesicht bilden sich im Endstadium poröse Hautknoten, die Haare fallen aus, ganze Körperpartien verfaulen.

Heute gilt Lepra als eine typische Dritte-Welt-Krankheit, jedes Jahr erkranken in den unterentwickelten Ländern rund 700.000 Menschen neu. Unterernährung und mangelnde Hygiene helfen dem Leprabazillus sich anzubreiten. 20 bis 30 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern leiden an Aussatz. Die Lepra verdankt Peru – wie so vieles – den Spaniern. Von den Conquistadoreswurde sie im 16. Jahrhundert aus Europa in die Andenrepublik eingeschleppt.

Die Lepra mit ihren verstümmelnden Symptomen lässt sich in ihrem Siegeszug nicht aus dem Tritt bringen. Die Waffen der Medizin sind stumpf geworden: Der Lepraerreger Mycobacterium leprae hat gegen das bisher erfolgreiche Medikament DDS Resistenz entwickelt. Im Frühstadium helfen Antibiotika. Im Dorf begegnen uns ausgewachsenen Männer mit Frauenbrüsten. Stumm schauen wir die Ärztin an. DDS, das im Frühstadium heilende Sulfonpräparat, zeige Nebenwirkungen, erklärt die Doctora. Aber das Medikament sei billig.

Weniger als einen Dollar koste der DDS-Jahresbedarf für einen Leprösen. Vielleicht wird der achtjährige Linder Pérez, der jüngste Patient der Kolonie, durch DDS geheilt werden können. Die erbsengroßen Leprablasen auf seinem Oberarm vermehren sich jedenfalls nicht mehr. Doch das starke Medikament raubt dem Kind den Schlaf. Leber und Nieren tun weh, überhaupt eigentlich alles.

siehe auch: Fotokiste In der Leprakolonie (I)
siehe auch: Fotokiste In der Leprakolonie (III)

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